Von ELKE LANDSCHOOF, 16.08.05, 19:02h, aktualisiert 16.08.05, 19:33h
Insgesamt gab es Ende 2004 im Kreisdekanat Rheinisch-Bergischer Kreis 119 044 Katholiken, von ihnen besuchen 13,5 Prozent regelmäßig den Gottesdienst. Im Jahr 2004 wurden 23 Neueintritte und 54 Wiederaufnahmen verzeichnet. Dem gegenüber standen 590 Austritte. In der Gemeinde Altenberg gab es 2005 bisher zwei Austritte. „Früher hatten wir hier zehn, elf Austritte im Jahr“, sagt Börsch. Nach Angaben der Evangelischen Statistikstelle im Landeskirchenamt waren im Januar 2005 kreisweit rund 79 000 Personen Mitglied in einer evangelischen Gemeinde. 2004 gab es schätzungsweise 240 Eintritte und etwa 490 Austritte.
„Die Austritte erfolgen meist am Anfang der beruflichen Laufbahn“, so die Erfahrung von Carsten Horn, Pressesprecher des Erzbistums Köln. Die höchste Zahl der Austritte verzeichnete die katholische Kirche bei der Einführung des Solidaritätszuschlages. „Doch mit Mitte 40, wenn Geld und Beruf in den Hintergrund treten, dann besinnen sich die Menschen und fällen die bewusste Entscheidung, wieder in die Kirche einzutreten“, sagt Horn.
Auch Pastor Börsch sagt: „Der Austritt aus der Kirche hängt oft vom Geld ab. Und wenn man alles geregelt hat im Leben, dann will man auch die Glaubensdinge regeln.“ Zugleich glaubt er, beobachtet zu haben, dass „die Frage nach der religiösen Intensität“ wichtiger wird. Für ihn kristallisieren sich zwei Beweggründe heraus, warum sich Menschen mit Religion befassen. „Zum einen ist es der Tod von Papst Johannes Paul II.“ Zum anderen fühlten sich die Menschen offenbar von religiösen Orten wie dem Altenberger Dom angezogen. Vor kurzem hatte Börsch ein Gespräch mit einen auswärtigen Ehepaar, das in Altenberg in die Kirche aufgenommen werden möchte. „Hier können wir beten“, hätten sie gegenüber Johannes Börsch erklärt.
Der Pastor hat den Eindruck, dass auch wieder mehr Jugendliche in die Kirche gehen. In der Vorbereitung auf den Weltjugendtag hat sich in seiner Gemeinde eine Kerngruppe von etwa 15 Jugendlichen gebildet, die sich um die Organisation des Weltjugendtags kümmern und regelmäßig zur Kirche kommen. „Und plötzlich tauchen auch andere Jugendliche in der Kirche auf“, sagt Johannes Börsch und spricht von einem „Mitnahmeeffekt“.
„Vom 1. Januar bis heute hatten wir zwölf Eintritte, das sind so viele wie früher in drei oder vier Jahren“, so die Bilanz von Pfarrer Thomas Werner von der Bergisch Gladbacher Gnadenkirche. Im Frühjahr hatte er in seiner evangelischen Gemeinde erstmals genauso viele Eintritte wie Austritte. „In den vergangenen Jahren haben die Menschen wieder angefangen, sich mit Religion zu beschäftigen“, so der Eindruck von Werner. „Die Motivation ist bei jedem individuell und die Taufe oder Aufnahme in die Kirche ist nicht das Ende des Prozesses, sondern der Anfang.“
Ein Blick in die Statistik von Pfarrer Werner zeigt, dass unter den Kircheneintritten besonders viele Männer um die 40 Jahre sind. Einer von ihnen ist Jörg Schrewentigges. Seit drei Monaten gehört der 39-Jährige zur Gemeinde der Gnadenkirche. „Mit Anfang 20 bin ich aus der katholischen Kirche ausgetreten“, sagt Schrewentigges. „Das war mir zu konservativ, was der Papst sagte.“ Insbesondere den Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema Verhütung und Dritte Welt habe er nicht nachvollziehen können. Eine persönliche Krise brachte den Rechtsanwalt auf die Sinnsuche. In einem Gespräch mit einem guten evangelischen Freund wurde ihm klar, dass er durchaus gläubig ist. Es folgten lange Gespräche mit Pfarrer Werner. Im Anschluss trat der Bergisch Gladbacher in die evangelische Kirche ein und engagiert sich seither in der Gemeinde. „Es macht Sinn, anderen zu helfen. Das gibt einem etwas“, sagt Schrewentigges.
Als Anwalt hat er viel mit Familienrecht zu tun. „Ich sehe sehr viel Not und Elend. Bei den jungen Ehen werden mehr als 60 Prozent geschieden. Das finde ich traurig“, sagt er und überlegt: „Wir leben in einer RTL2-Gesellschaft.“ Viele Werte gingen verloren. „Da ist Kirche gut.“ Bei seinem Eintritt habe er sich herzlich empfangen gefühlt.
Bereits mit 22 Jahren ist Peter M. (Name von der Redaktion geändert) wieder in die evangelische Kirche eingetreten. „Nach meiner Konfirmation sind meine Eltern aus der Kirche ausgetreten. Ich wusste nichts davon. Erst mein Arbeitgeber hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich nicht mehr Mitglied gewesen bin.“ Da war es für den jungen Mann selbstverständlich, wieder einzutreten. „Ich bin kein Mensch, der in den Gottesdienst geht. Aber die Förderprogramme und die Arbeit, die die Kirche macht, finde ich gut.“ Er glaubt, dass sein Kirchenbeitrag der Gesellschaft zugute kommt. „Es ist genau dasselbe als wenn ich regelmäßig spenden würde.“
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