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Gebete auch für den Weltfrieden

Von INGRID BÄUMER, 23.04.06, 17:14h

Kürten-Spitze -Zum elften Mal fand das Friedensgebet statt, das in Gedenken von 21 deutschen Soldaten abgehalten wurde. Gegen Kriegsende wurden sie standrechtlich vom US-Militär erschossen.

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Samstagabend, halb sieben: Am Gedenkstein der Kapelle haben sich Gläubige versammelt - nicht nur, um der Toten zu gedenken. Sie wollen für den Weltfrieden zu beten.
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Samstagabend, halb sieben: Am Gedenkstein der Kapelle haben sich Gläubige versammelt - nicht nur, um der Toten zu gedenken. Sie wollen für den Weltfrieden zu beten.
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Chorleiter gab den Einsatz: Musikalisch wurde die Andacht vor der Kapelle von Chormitgliedern begleitet.
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Zum elften Mal fand das Friedensgebet statt, das in Gedenken von 21 deutschen Soldaten abgehalten wurde. Gegen Kriegsende wurden sie standrechtlich vom US-Militär erschossen.

Kürten-Spitze - „Mein Großvater wäre auch fast erschossen worden“, erinnert sich Maria Kley-Auerswald. Sie gehört zum Ökumenekreis Spitze, dem Initiator des jährlichen Friedensgebet an der Sankt-Jacobus-Kapelle. „Frieden muss man aufbauen“, ist ihre Botschaft. Samstagabend, halb sieben: Am Gedenkstein der Kapelle haben sich Gläubige versammelt - nicht nur, um der Toten zu gedenken. Sie wollen für den Weltfrieden zu beten.

Jesus mahnte: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Kley-Auerswald erinnert an die Frauenkirche in Dresden, die letztes Jahr eingeweiht wurde: „Steine sind nicht nur Waffen - man kann mit ihnen auch den Frieden aufbauen.“

Zuvor hatten der katholische Pastor Harald Fischer (Biesfeld) und der evangelische Pfarrer Jörg Schmidt (Herkenrath) in der Dürscheider Kirche Sankt Nikolas eine gemeinsame Andacht gefeiert. Danach zogen die Gläubigen weiter zu dem Friedhof, wo die Soldaten begraben liegen, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs standesrechtlich von US-Militärs erschossen worden sind. Schließlich führte ihr Weg zum Gedenkstein an der Jacobus-Kapelle.

Wer sich damals in Spitze, im April 1945, der herrenlosen Flak bemächtigte, um auf die heranrückenden Panzer der Amerikaner zu schießen - das scheint heute keiner mehr zu wissen. Aber die Anwohner sind felsenfest überzeugt: Es war keiner von ihren Leuten. Einige sahen einen versprengten Truppenhaufen von Herkenrath herbeiziehen. Deren „durchgeknallter Offizier“ sei das gewesen, „einer, der groß rumtönte: jetzt wollen wir's den Amis noch mal zeigen.“ Die Spitzer hatten gerade kapituliert. Maria Kley-Auerswald erinnert sich: „Meine Großeltern und meine Mutter war gerade draußen und hängten ein Bettlaken auf. Die Amerikaner kamen von Herrenstrunden mit Panzern. Da fielen die Flak-Schüsse.“ Die US-Truppen rächten sich: Sie trieben nicht nur alle deutschen Soldaten zusammen, die sie finden konnten. Sondern die gesamte männliche Bevölkerung Spitzes. Alle sollten erschossen werden, hieß es.

Einem französischen Zwangsarbeiter haben die Zivilisten ihr Überleben zu verdanken. Er setzte sich bei den US-Truppen für sie ein. Maria Kley-Auerswald: „Er arbeitete in einer Apfelmost-Fabrik und ist dort anscheinend gut behandelt worden.“ Die Amerikaner ließen die Zivilisten gehen, aber 21 versteckte deutschen Soldaten nahmen sie mit in ein Waldstück zwischen Spitze und Herrenstrunden. Obwohl die Soldaten wie Zeitzeugen versichern, am Flak-Angriff nicht beteiligt waren, wurden sie standesrechtlich erschossen.

„Das war ein Verstoß gegen das Kriegsrecht“, stellt Heimatforscher Kunibert Förster fest. Doch was genau an diesem Tag im April 1945 geschah, ist immer noch nicht ganz geklärt. „Es gibt Totenlisten“, weiß Förster, „auf denen sind die hingerichteten Soldaten namentlich aufgeführt.“ Umstritten sei aber, wer auf welche Art den Tod fand. Die Soldaten wurden erst in einem Massengrab bestattet, Jahre später zur Identifikation exhumiert. Sie haben jetzt Einzelgräber auf dem Dürscheider Friedhof. Das Friedensgebet soll nächstes Jahr wieder stattfinden.



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