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Fotograf sollte nur Abreibung bekommen

Von TIM STINAUER, 31.01.07, 20:06h, aktualisiert 01.02.07, 10:16h

Überraschende Entwicklung im Hilton-Mordfall: Eifersucht spielte bei der Tat keine Rolle. Nikolaus G. war 2005 im Kölner Nobelhotel erschlagen worden. Nun fühlt sich der Beschuldigte als "Sündenbock".

Bild: Polizei Köln
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Das Foto einer Überwachungskamera vom Tatverdächtigen.
Bild: Polizei Köln
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Das Foto einer Überwachungskamera vom Tatverdächtigen.
Voraussichtlich von August an wird vor dem Kölner Landgericht einer der spektakulärsten Mordfälle der vergangenen Jahre verhandelt. Daniel Jan C. (29) und sein Komplize (35) sind angeklagt, während des Weltjugendtags im August 2005 den Berliner Fotografen Nikolaus G. im Hotel Hilton in der Marzellenstraße getötet zu haben.

Laut Anklage soll Daniel C. unter anderem eifersüchtig gewesen sein, weil der Fotograf eine Beziehung zu seiner Ex-Freundin gehabt haben soll. Doch nun sagt C.s Anwalt Tim Geißler: „Das ist völliger Unsinn. Eifersucht scheidet als Motiv aus.“ Wie der Wuppertaler Verteidiger dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, sollen das Opfer und die Ex-Freundin von Daniel C. vor der Tat „seit fünf Jahren keinen Kontakt mehr“ zueinander gehabt haben. Geißler ist überzeugt: „Das wird sich auch im Verlauf des Gerichtsverfahrens herausstellen.“

Vielmehr habe es zwischen Daniel C. und dem Berliner Fotografen Streit um einen Auftrag gegeben. Um welchen Job es sich handelte, wollte Geißler gestern nicht sagen. „Fakt ist: Mein Mandant hat dem späteren Opfer 5000 Euro bezahlt. Aber die vereinbarte Leistung ist dafür nicht erbracht worden.“ Also hätten C. und sein Begleiter Nikolaus G. zur Rede stellen wollen. Aus diesem Grund hätten sie den Fotografen in das Hotelzimmer gelotst. Dort sei die Situation dann eskaliert. „Ziel war es, ihm eine Abreibung zu verpassen und eine Sachbeschädigung zu begehen“, sagte Anwalt Geißler. C. und sein Komplize hätten vorgehabt, die Kameraausrüstung des 37-Jährigen zu beschädigen. Im Zimmer soll Daniel C. dem Opfer mit einem Baseballschläger einmal gegen die Beine geschlagen haben. Doch der durchtrainierte Nikolaus G. soll sich gewehrt haben. Daraufhin soll C.s Mittäter - ein ausgebildeter Kampfsportler, der angeblich Kurse in der asiatischen Kampftechnik Ving Chung gibt - in die Rangelei eingegriffen und den Fotografen erschlagen haben. Der Beschuldigte streitet die Vorwürfe allerdings ab. Wie zu erfahren war, fühlt der 35-Jährige sich als „Sündenbock“. Er will am Tattag gar nicht in Köln gewesen sein. Sein Anwalt war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Anklageschrift gegen die beiden Beschuldigten ist fertig gestellt und wurde an deren Anwälte verschickt. Solange nicht alle Verteidiger die Akte in den Händen halten, will sich Landgerichts-Sprecher Heinz Georg Schwitanski nicht zum Inhalt äußern. Daniel C. sitzt zurzeit in Berlin in Untersuchungshaft. Er war Monate nach dem Mord wegen Verdachts des Internetbetrugs mit gefälschten Konzertkarten festgenommen und erst später als Verdächtiger im Hilton-Mordfall identifiziert worden. Sein mutmaßlicher Komplize war im Oktober von einem Spezialeinsatzkommando vor seiner Wohnung in Stuttgart überwältigt und verhaftet worden.



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