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Nadeln helfen „Sir Bubi“

Von JÜRGEN WASSE, 19.03.07, 18:11h

Akupunktur gilt bei Menschen längst als anerkannte alternative Therapieform. So genannte Energieleitbahnen spielen eine entscheidende Rolle.

BILD: RALF KRIEGER
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In einem Atlas sind alle Akupunkturpunkte eines Pferdes genau bezeichnet.
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In einem Atlas sind alle Akupunkturpunkte eines Pferdes genau bezeichnet.
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Hauchfein sind die Akupunkturnadeln.
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Ruhig steht „Sir Bubi“ in der Stallgasse. Doch die Ohren spielen unentwegt, und an den leicht gekrausten Nüstern ist die Anspannung bemerkbar, mit der der 15-jährige Hannoveraner das Geschehen rings umher registriert. Mit sanftem Druck zieht Sandra Synofzik eine unsichtbare Linie auf den Pferderücken. So überprüft sie einen „Meridian“ - eine der so genannten Energieleitbahnen, die in der traditionellen Medizin der Chinesen - der Akupunktur - eine entscheidende Rolle spielen.

Nach und nach setzt die 35-Jährige bis zu zehn Akupunktur-Nadeln, kaum dicker als ein menschliches Haar. Sorgfältig notiert sie in einer Kladde die Akupunkturpunkte, die unterschiedliche Wirkung haben können, um so einen Ansatzpunkt für spätere Behandlungen zu erhalten. Auch wo und wie viele Nadeln gesetzt wurden, wird vermerkt. Das ist nicht zuletzt wichtig, damit nach der Behandlung keine verloren geht und womöglich später mit dem Futter aufgenommen wird: „Das könnte problematisch werden.“ In der Tat gleichen die Nadeln, einmal abhanden gekommen, buchstäblich den sprichwörtlichen Nadeln im Heuhaufen.

Erfahrungen mit Dallas

Sandra Synofzik praktiziert Akupunktur nach TCM, also die traditionelle chinesische Medizin - allerdings an Pferden. Wie sie dazu gekommen ist, in den vergangenen Jahren zahlreiche Aus- und Weiterbildungsseminare zu absolvieren, waren Erfahrungen mit ihrem eigenen Pferd „Dallas“. Das inzwischen 23 Jahre alte Tier leidet an chronischer Arthrose und weiteren Beinerkrankungen. Herkömmliche Behandlungsmethoden halfen nicht mehr, der Vierbeiner galt als austherapiert. „Da habe ich zum ersten Mal daran gedacht, es vielleicht mit Akupunktur zu versuchen“, erzählt die 35-Jährige. Obwohl sie früher, wie sie einräumt, „selbst völlig skeptisch gegen Naturheilkunde eingestellt war.“

In der Zwischenzeit allerdings hatte Sandra Synofzik bereits erste Erfahrungen mit Akupunktur gemacht, hatte die - durchaus positive - Wirkungsweise der Nadeln am eigenen Leib erfahren. So war der Weg für sie nicht mehr weit, sich nun selbst intensiver mit Akupunktur zu beschäftigen, die chinesische Heilkunst sogar selbst zu erlernen. Und wirklich halfen Sandra bereits erste Kenntnisse, ihrem Pferd zumindest etwas Linderung zu verschaffen. Mittlerweile geht es „Dallas“ den Umständen entsprechend, wie man so sagt, recht gut; er ist in einen „Rentnerstall“ umgezogen, wo er sich Tag und Nacht frei bewegen kann - „das ist sicherlich für seine alten Knochen besser“, sagt die Tierheilkundlerin und lächelt. „Natürlich kann ich mit ihm keine Belastungsritte mehr veranstalten.“

Dafür hat sie inzwischen einige neue Patienten hinzugewonnen. Zum Beispiel „Sir Bubi“. Der 15-jährige Hannoveraner hat, sagt die Besitzerin Barbara Fecker, immer mal wieder Rückenprobleme. Im Januar kam ein recht übler Husten hinzu, der vom Tierarzt behandelt werden musste. Nach Abschluss der Behandlung und um die Genesung des Patienten zu fördern, entschloss sich Fecker, es ebenfalls mit Akupunktur zu versuchen. Sandra Synofzik kam, setzte ihre Nadeln, ließ weitere Behandlungen folgen - und der Zustand von Sir Bubi stabilisierte sich zusehends.

Trotz aller Erfolge weiß die gelernte Industriekauffrau ihre Grenzen klar einzuschätzen, und hat deshalb keine Berührungsängste mit approbierten Veterinärmedizinern. Sie geht sogar zum Beispiel mit der Leichlinger Tierärztin Ulrike Binding gemeinsam auf Tour: „Das ist für mich eine Art Praktikum, um auch auf der Seite der westlichen Medizin auf dem Laufenden zu bleiben und um besser mit Tierärzten zusammenarbeiten zu können.“ Überhaupt seien die Tierärzte inzwischen der Akupunktur gegenüber „sehr offen“ geworden, betont Synofzik, die seit 2000 ihre nebenberufliche Profession ausübt und zusätzlich eine zweijährige TCM-Ausbildung absolvierte. Im vergangenen Jahr legte sie zudem die Verbandsprüfung beim „Verband freier Tierheilpraktiker“ ab. Dort müssen sich alle Tierheilpraktiker einer einheitlichen Prüfung unterziehen. So soll eine Art Standard in der Ausbildung gewährleistet werden, denn nach wie vor gilt die Tätigkeit des Tierheilpraktikers als nicht geschützter Beruf.

Ihre Möglichkeiten, Pferden zu helfen, sieht Sandra Synofzik vor allem in der Nachsorge sowie als begleitende Therapie bei gesundheitlich geschwächten und älteren Tieren, die an Arthrosen und Muskelverspannungen oder wenn diese allgemein besonders anfällig sind, etwa zur Zeit des Fellwechsels. Eine Kolik zum Beispiel, versichert sie, „braucht natürlich den Arzt. Aber bis er kommt, kann die Akupunktur helfen, kann die Schmerzen beim Pferd lindern und so für Entspannung sorgen.“

Zu empfindlich

Allerdings ist auch die Akupunktur nicht bei allen Pferden angezeigt, hat die 35-Jährige erfahren, „da manche zu empfindlich auf die Nadeln reagieren und sich dann nicht entspannen. In solchen Fällen kann ich aber die Laserakupunktur einsetzen.“ Bei dieser Technik werden einzelne Akupunkturpunkte mit einem so genannten Softlaser behandelt - und dies völlig schmerzfrei für das Tier.

Am Ende ihres Studiums der Akupunktur sieht sich die Tierheilpraktikerin keineswegs: „Dafür ist das Gebiet wirklich viel zu umfangreich.“ In einem Atlas der Akupunktur werden über 300 Punkte bezeichnet. Sie alle zu kennen, alle Wirkungen und Wechselwirkungen einschätzen und kontrollieren zu lernen, dazu brauche es viele Jahre der Erfahrung. Sandra Synofzik lacht: „Da bleibt noch genug zu studieren.“



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