Von MARKUS DÜPPENGIESSER UND STEFAN KUNZE, 08.05.07, 17:11h
Vor dem Besuch mussten die deutschen Gasteltern und Gastgeschwister nachmittags die Schulbank drücken - ein Türkisch-Crashkurs stand auf dem Programm. „Ich kann schon einiges auf türkisch“, erzählte Natascha Muskatewitz vorher. „Anna“ heißt demnach „Mama“, „Eshek“ ist der „Esel“. Für eine freundliche Begrüßung sollten aber noch ein paar Vokabeln dazukommen. Susanne Olbertz war mit ihrer Tochter Jessica zum Crashkurs erschienen. „Ich mache das, um wenigstens ein bisschen türkisch zu können“, sagte die Mutter.
Vor dem ersten Besuch in der Türkei 2005 hatte es einen solche Vorbereitung nicht gegeben, erinnert sich der Herkenrather Schulleiter Helmut Busch. Und so sei die Kommunikation teilweise „schwierig ohne Ende“ gewesen, gerade in den Gastfamilien. Die Gastgeber sprachen kein Deutsch, die deutschen Schüler - wenn sie nicht gerade türkisch-stämmig waren - beherrschten die Landessprache nicht, und mit Englisch kamen sie auch nicht wirklich weiter.
Also mussten andere Mittel helfen: „Die Schüler fanden schnell heraus, dass es auch andere Kommunikationswege gibt als die Sprache“, so Busch. Die Herzlichkeit der Gastgeber ließ alle Probleme vergessen - auch die rustikalen Lebensverhältnisse in der westtürkischen Kleinstadt. Bei der Ankunft hätten einige Schüler noch gefragt „Wo sind wir denn hier gelandet?“, spätestens am zweiten Abend seien aber alle von der Gastfreundschaft restlos begeistert gewesen.
Ein bisschen davon will die Johanniter-Hauptschule den Besuchern jetzt zurückgeben. Durch die Unterstützung der Stadt, der deutschen Gastfamilien, eines befreundeten Reisebüros und vor allem des Fördervereins ist der Besuch für die zehn Schüler aus der Türkei weitgehend kostenlos.
Einen Austausch zwischen einer deutschen Hauptschule und einer türkischen Primarschule gibt es nicht allzuoft, erklärt Helmut Busch: „Das türkische Generalkonsulat wusste nichts davon, dass es das in NRW noch ein zweites Mal gibt.“ Seine Schule hatte sich schon seit längerem für eine solche Partnerschaft interessiert, schließlich stammen die meisten Ausländer an der Schule aus der Türkei. Im Jahr 2003 dann schrieb Funda Eren, die damalige Leiterin des Projekts „Migranten in Ausbildung“ (MiA) Rhein-Berg, eine E-Mail: Im Auftrag der Schule aus Dalaman suchte sie eine deutsche Schule - so war das Projekt ins Rollen gekommen.
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