Von MARKUS DÜPPENGIESSER, 06.06.07, 19:23h
Bergisch Gladbach - „Der Kirchentag lädt alle Menschen dazu ein, aufeinander zuzugehen“, sagte Gerd Josmann, Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG), zum Empfang der Besucher aus Palästina, „das ist bei Ihnen ja leider nicht immer möglich.“ Damit spielte er auf die Mauer an, mit der sich Israel vor palästinensischem Terror zu schützen sucht. Eine Grenzanlage, acht Meter hoch und damit mehr als doppelt so hoch wie die einstige Mauer durch Deutschland. Und eine Mauer, die direkt hinter der Schule Talitha Kumi in Beit Jala (bei Bethlehem) entlangläuft - von hier kommen die 22 Jugendlichen, die über den Kirchentag in Bergisch Gladbach zu Gast sind.
Wie sieht das Leben aus im Gebiet der Palästinenser, wie ist ein Schulalltag möglich so nah an der riesigen Mauer? Davon wollen die Besucher ihren Gastgebern einen Einblick geben. Zur Einstimmung sangen sie arabische Liebeslieder und führten Folkloretänze vor. Dabei trugen sie traditionelle Trachten - jedoch in gekürzter Form: Mit den im Original bodenlangen Gewändern hätten sie kaum Tanzen können. In einer Power-Point-Präsentation erzählten sie die Geschichte der Schule nach. 1851 wurde sie von Deutschen als Mädchenschule für Waisenkinder gegründet - „Talitha Kumi“, der Schulname, heißt auf Deutsch „Mädchen, steh auf“, ein Zitat aus dem Markus-Evangelium. Seit 1980 sind auch Jungen zugelassen.
Die Schule ist in protestantischer Trägerschaft. Über die evangelische Gemeinde Bergisch Gladbach sei der Kontakt nach Palästina auch entstanden, berichtet Ekkehard Schmidt, ehemaliger Lehrer am DBG. „Aber selbstverständlich besuchen auch muslimische Kinder hier den Unterricht“, erklärte Deutschlehrerin Rania Salsa. Es gebe auch Religions-Arbeitsgruppen, in denen die Schüler jeweils „das Andere“ kennen lernen: Christen den Islam, Muslim das Christentum.
Schülern der achten und der zwölften Klasse des DBG zeigte sie Bilder von der Mauer, die offiziell „Fence“ (Zaun) genannt wird. Palästinenser, die diese Grenze überqueren wollen, brauchen immer wieder eine neue Einreisegenehmigung, die meist nur ein paar Stunden gilt. Sonst werden mächtige Umwege nötig - für eine Schule mit vielen Schülern aus dem Umland ein riesiges Problem.
„Friede sei mit euch“, begrüßt das israelische Tourismus-Ministerium die Besucher - Deutschlehrerin Salsa findet das zynisch. Mit Frieden habe die Mauer nichts zu tun - „wegen der Mauerpolitik kann kein lebensfähiger Staat der Palästinenser entstehen“.
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