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„Achten auf nonverbale Warnsignale“

Erstellt 07.08.07, 17:40h

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Pflegedienstleiterin Sonja Zieboll kennt den Pflege-Alltag.
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Pflegedienstleiterin Sonja Zieboll kennt den Pflege-Alltag.
Sonja Zieboll, Pflegedienstleiterin im Wöllner-Stift, über Biografie-Arbeit und Pflege-Alltag in dem Rösrather Seniorenheim.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: In der Diskussion um den Umgang mit traumatisierten Senioren fällt oft das Stichwort Biografie-Arbeit. Was ist darunter zu verstehen?

SONJA ZIEBOLL: Jeder, der bei uns einziehen möchte, erhält einen Biografie-Bogen. Darin wird er beziehungsweise werden seine Angehörigen gefragt, was seine Lieblingsspeisen und Tag- und Nachtrhythmen sind. Beruf, Hobbys, Ehrenämter und die Zahl der Kinder werden abgefragt, aber auch einschneidende Erlebnisse. Wir weisen allerdings darauf hin, dass jeder nur so viel offen legen soll, wie er will. Niemand soll sich ausgezogen fühlen.

Was heißt Biografie-Arbeit noch?

ZIEBOLL: Die eigentliche Biografie-Arbeit ist Vertrauenssache und Beziehungsarbeit und entwickelt sich aus den Gesprächen zwischen Pflegern und Bewohnern. Gerade in der täglichen Grundpflege erfahren unsere Mitarbeiter sehr viel von den alten Menschen. Wichtige Daten, die alle Kollegen wissen sollten, werden dann in die Pflegedokumentation aufgenommen.

Bleibt für solche Gespräche zwischen Waschen, Anziehen und Bettenmachen überhaupt Zeit?

ZIEBOLL: Ja, denn während ich einen Menschen pflege, kann ich schweigen oder mich mit ihm unterhalten. Letzteres kostet doch nicht mehr Zeit. Ich kann auch von mir selbst erzählen, das ist oft ein guter Einstieg. Bei der Grundpflege kommt man den Bewohnern ohnehin sehr nahe. Da wirkt ein gutes Gespräch entspannend.

Wie reagieren Sie konkret, wenn ein Bewohner von traumatischen Erlebnissen belastet ist?

ZIEBOLL: Wenn eine Dame zum Beispiel sagt, dass sie nicht von einem Mann gepflegt werden will, nehmen wir darauf natürlich Rücksicht. Unabhängig davon, ob der Grund eine erlittene Vergewaltigung oder einfach Schamempfinden ist. Bei demenziell veränderten Menschen achten wir besonders auf nonverbale Warnsignale wie ängstliches oder abwehrendes Verhalten.

Der Umgang mit traumatisierten Menschen kann belastend sein. Wie gehen Sie im Team damit um?

ZIEBOLL: Wir haben alle drei bis vier Wochen Fallbesprechungen, die durch eine Psychologin begleitet werden. Darin wird die Situation des Bewohners, aber auch die der Angehörigen und der Pfleger besprochen. An den Sitzungen nimmt immer ein wechselnder Mitarbeiterkreis teil, ebenfalls Ehrenamtler. Außerdem bieten wir regelmäßig Fortbildungen auch zu psychosozialen Themen an.

Das Gespräch führte Michaela Paus.



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