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Ein Arbeitsplatz für Spezialisten

Von JUTTA-EILEEN RADIX, 28.03.08, 18:03h

Bergisch Gladbach - Das Caritas-Projekt "MBA - Migrantenbetriebe bilden aus" war erfolgreich: Knapp 70 Ausbildungsstellen wurden geschaffen. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" stellt einige der Betriebe in loser Folge vor.

BILD: CHRISTOPHER ARLINGHAUS
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Das Speditionsteam: Ferhat Dursun, Serdar Sengüler, Nevzat Ihrac, Betül Celik und Suna Öztürk (v.l.).
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Das Speditionsteam: Ferhat Dursun, Serdar Sengüler, Nevzat Ihrac, Betül Celik und Suna Öztürk (v.l.).
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Die Karte im Büro: Viele Waren werden aus der Türkei importiert.
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Bergisch Gladbach - Gleich zwei Ausbildungsstellen hat Nevzat Ihrac in seinem Unternehmen „Ihrac Transport Service GmbH“ geschaffen. Ganz wichtig für ihn war die „passgenaue Vermittlung“, die das Caritas-Projektteam anbietet. Ihrac brauchte speziell Auszubildende mit türkischen Wurzeln: „Meine Firma transportiert sehr viele Waren aus der Türkei in EU-Länder“, erläutert Ihrac, „ich brauche Mitarbeiter, die Deutsch und Türkisch in Wort und Schrift perfekt beherrschen.“ Die sind gefunden: Ferhat Dursun lernt Kaufmann für Spedition und Logistik, seine Kollegin Betül Celik Bürokauffrau. Ausgesucht hat die jungen Leute Funda Öztürk, die Projektleiterin MBA bei der Caritas Rhein-Berg. Da sie Ihrac und sein Unternehmen schon seit einigen Jahren kennt, wusste sie, was der Firmenchef erwartete: flexibel, aber korrekt müssen seine Mitarbeiter sein und sich auf die unterschiedlichen Mentalitäten ihrer Gesprächspartner einstellen können. „Es gibt eine Menge kultureller Unterschiede“, schildert Ihrac, „das beginnt schon bei der Art, ein Gespräch einzuleiten oder bei der Bewirtung, die bei Geschäftsbesprechungen in der Türkei unabdingbar ist, in Deutschland aber nicht.“

Verschlungene Wege

Nevzat Ihrac hat das in den vergangenen Jahrzehnten selbst nach und nach gelernt, denn ihn führten verschlungene Wege zu seiner heutigen Tätigkeit. In der Türkei hatte er Zeitungswissenschaften studiert, doch sein Vater schickte ihn nach Deutschland. Grund: Die heftigen Studentenunruhen in der Türkei Anfang der 70er Jahre machten den Eltern Sorgen, sie wollten ihren Sohn in Sicherheit wissen. In München studierte Ihrac Geologie und Paläontologie. „Es war am Anfang nicht einfach“, erinnert sich der Geschäftsmann, „ich habe immer zu meinen Sprachlehrern gesagt: »Ich verstehe die Leute hier nicht, obwohl sie mich verstehen«. Meine Lehrer trösteten mich dann - Bayerisch ist halt sehr speziell.“ Nach dem Studium sollte Ihrac in der Türkei seinen Militärdienst ableisten, doch deutsche Freunde liehen ihm das Geld, um sich - bis auf zwei Monate - davon zu befreien. Dieses Geld wollte der junge Mann schnelln zurückzahlen und ging zu einer deutsch-türkischen Spedition, statt, wie geplant, in der Türkei nach Öl zu bohren. Das war der Startschuss für eine Karriere im Speditionsgewerbe: Ihrac ging später zur Spedition Haniel und gründete 1998 sein eigenes Unternehmen. Heute arbeitet er für Modefirmen wie Street One und Cecil und bietet Spezialservice an. Ihrac Transport liefert auf die Minute genau, was den Firmen Lagerraum und Arbeitskräfte spart.

Deshalb, so Ihrac, habe er sich nach einiger Ermutigung durch Funda Öztürk auch entschieden, „seine Leute“ selbst auszubilden. Für ihn ist es das A und O, dass die jungen Leute auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen und dafür sorgen, dass der Transport reibungslos und schnellstmöglich klappt. Davon lebt das Unternehmen. Ohne die Hilfe seitens der Caritas-Projektmitarbeiter, gesteht Ihrac ein, hätte er sich vielleicht nicht als Ausbildungsbetrieb registrieren lassen. „So viele Vorschriften und Formulare“, sagt der Unternehmer, „die Hilfe vom Projekt war ganz wichtig.“

Auch seine beiden Auszubildenden haben vom MBA-Projekt profitiert - lange hatten sie nach einer Stelle gesucht, und Funda Öztürk konnte sie vermitteln. So sorgte sie auch dafür, dass Betül Celik erst einmal eine Berufsqualifizierung bei Ihrac Transport machen kann, weil es im November bereits zu spät war, mit der regulären Ausbildung zu beginnen. Ferhat Dursum, der schon zwei seiner drei Lehrjahre hinter sich hat, ist sich sicher, dass er in der Branche bleiben will: „Die Abwechslung macht Spaß, es ist alles Mögliche zu tun. Nach der Ausbildung spezialisiere ich mich weiter.“



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