Von MICHAELA PAUS, 02.04.08, 19:03h, aktualisiert 02.04.08, 19:18h
Mittels digitaler Drucktechnik projiziert er Fotos aus den Kriegs- und Nachkriegstagen vergrößert auf Leinwände. Diese schwarz-weißen, schattenhaften Bilder von verbrannter Erde und toten Bäumen, von schier endloser Verwüstung und vernichteten Orten werden anschließend übermalt. Doch unter den blau-schwarzen Farbbahnen und -wirbeln bleiben die Zeichen der Zerstörung präsent, vereinzelt sogar Figuren erkennbar. „Es geht darum, die Spuren der Gewalt in der Erde zu lesen und sichtbar zu machen“, erklärt Möbus, der von Hause aus Landschaftsmaler ist. „Der Boden der ehemaligen Schlachtfelder ist noch heute vernarbt und getränkt mit Geschichte.“ Der 54-Jährige meint dies im metaphysischen, aber auch im ganz realen, handfesten Sinne. „Das Thema beschäftigt auch die Menschen, die dort leben, noch immer.“
Für Peter Möbus steht der Erste Weltkrieg für den Zynismus so genannter Materialschlachten, in denen das Leben des Einzelnen nichts zählt, und für den Beginn der menschenverachtenden Kriegsindustrie des 20. Jahrhunderts. Seit er als Junge die Schlachtenbilder in den Büchern seines Großvater sah, habe ihn das Thema nicht mehr losgelassen. „Früher hatte ich aber nicht die technischen Möglichkeiten, das auch künstlerisch umzusetzen.“ Erst die Digitaltechnik erlaubt ihm nun die Projektion und Übermalung der Originalfotos. „Ich bin jetzt da, wo ich immer hin wollte“, sagt der Künstler. „Es kommt mir vor, als hätte ich mich 30 Jahre lang warm gemalt.“ Peter Möbus hat sich mit abstrahierenden Landschaftsbildern, die immer auch Seelenlandschaften zeigen, einen Namen gemacht. Der neue Bilderzyklus bildet dazu nur auf den ersten Blick einen Gegenpol. Denn auch diese Arbeiten sind Landschaftsdarstellungen, erweitert um eine konkrete Dimension, „die für mich unsichtbar aber schon immer präsent war“. Farblich und formal schließen die aktuellen Arbeiten ebenfalls an die „Seelenlandschaften“ an. So dominieren Blautöne die Bildfläche, bleibt in den sich überlagernden Schichten der Duktus des Malers sichtbar. „Blau ist meine Farbe“, betont Möbus und fügt hinzu, dass er Rot für den Zyklus zu plakativ fände. „Ich bin kein Kriegsmaler, sondern immer noch Landschaftsmaler.“ Zudem geht es ihm nicht um die Darstellung historischer Gegebenheiten, sondern um eine überzeitliche künstlerische Aussage.
Neben den Landschaftseindrücken, die er in den vergangenen Jahren bei vielen Touren mit der „Inia“, seinem Schiff und „schwimmendem Atelier“, gesammelt hat, lässt Peter Möbus sich auch von Musik inspirieren. Der aktuelle Bilderzyklus bezieht sich auf die in den Kriegsjahren von Sergei Rachmaninow komponierten „Etudes-Tableaux“. Möbus sagt: „In ihnen ist die Spannung der damaligen Zeit präsent.“ Um dies für den Betrachter erlebbar zu machen, hat er mit dem befreundeten Pianisten Friedrich Höricke ein multimediales Projekt erarbeitet: Zu Möbus' Bildern über den Ersten Weltkrieg spielt der Musiker die „Etudes-Tableaux“ live. Eine erste Aufführung war vor kurzem in Berlin; weitere sind geplant. Zudem ist der Bilderzyklus noch nicht abgeschlossen. Im Frühsommer möchte der Künstler mit dem Schiff nach Frankreich zu den Originalschauplätzen reisen und dort malen. Darüber hinaus ist Möbus sicher, dass er weiterhin seine vertrauten See- und Seelenlandschaften in Tempera, Öl und Pastell malen wird: „Das Meer ist meine Heimat.“
Die Termine der Aufführungen werden im Internet veröffentlicht:
www.kunstsammlung-peter-moebus.de
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