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Menschen bei Maischberger

Dürfen Fußballer weinen?

Von Christiane Mitatselis, 04.06.08, 08:00h, aktualisiert 04.06.08, 10:58h

Das Thema der letzten Sendung vor der Sommerpause hat Sandra Maischberger aus der Fassung gebracht - "Fußball ist unser Leben" schien nicht ihr Motto zu sein. Ihrer Männerrunde hatte sie oft nur Kleinmädchen-Kichern entgegenzusetzen.

Maischberger
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Viel unsicheres Gekicher: Sandra Maischberger
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Viel unsicheres Gekicher: Sandra Maischberger
Was war nur mit Sandra Maischberger los? Ein Tuch hatte sie sich eng um den Hals gebunden – wie ein Teenager, der einen frischen Knutschfleck vor den Eltern verbergen will. Und auch ansonsten benahm sich die 41-jährige ARD-Moderatorin am Dienstagabend wie ein junges Mädchen. Sie kicherte viel. Und sie wusste manchmal nicht so recht, was sie sagen sollte. Aber Sandra Maischberger hatte es auch schwer. Kurz vor dem Start der Europameisterschaft durfte sie nicht wie gewohnt über gierige Rentner oder die nächste Sexrevolution parlieren. Nein, das Thema ihrer letzten Sendung vor der Sommerpause lautete: „Fußball“ ist unser Leben“. Und dass Fußball nicht Maischbergers Leben ist, war nicht zu übersehen.

Zu allem Überfluss wurde ihr eine reine Herrenrunde vorgesetzt - bestehend aus dem Sportjournalisten Waldemar Hartmann, Schmidt-Anhängsel und Fußball-Fan Oliver Pocher, Ex-Fußball-Manager Reiner Calmund, dem Schweizer Meteorologen Jörg Kachelmann und dem österreichischen Karikaturisten Gerhard Haderer. Nicht eine Quotenfrau hatte der Sender Maischberger zugestanden. So wirkte die Moderatorin ziemlich verloren und las wie eine brave Schülerin die Fragen vom Kärtchen ab. Dabei heraus kam nicht viel Erhellendes, geschweige denn eine echte Diskussion.

Dürfen Fußballer weinen?, lautete eine der aufregenderen Fragen, die Maischberger stellte. Pocher erfüllte ordnungsgemäß seinen flapsigen Part. Es werde in letzter Zeit zu viel geflennt, befand er. Das missfiel Hartmann, der sofort für den jüngst tränenreich verabschiedeten Trainer Ottmar Hitzfeld in die Bresche sprang. Es ging überhaupt querbeet durch die neuere Fußball-Historie: Rudi Völlers Käse-Wutrede von 2003 wurde heraus gekramt. Calmund machte sich sofort für seinen alten Freund, den „Ruddi“ stark. Der sei halt manchmal sehr emotional. Pocher nutzte die Gelegenheit, um Völlers Feind, DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, als harmoniesüchtig und aalglatt zu geißeln. Ansonsten fiel auf, dass der Fußballer Zidane, dessen WM-Kopfstoß gegen Materazzi ebenfalls thematisiert wurde, in Calmundscher Phonetik „Tsidane“ ausgesprochen wird.

Leider viel zu wenig zu Wort kam der Österreicher Haderer, der sich mehr Gelassenheit in der Welt des Fußball wünschte – und seine Freude hat an in Österreich fabrizierten T-Shirts, die Schriftzug „Die Welt zu Gast bei Verlierern“ ziert. „Dat“ fand Calmund dann doch ein bisschen zu wenig „Engagement“ für die eigene Nationalelf. Insgesamt herrschte unter den Herren jedoch fast bierseelige Harmonie. Sie klopften sich nach ihren kleinen Meinungsverschiedenheiten freundlich auf die Schultern und bekundeten sich ihren allseitigen Respekt.

So konnte der Zuschauer leicht in einen süßen Halbschlaf fallen, aus dem er höchstens dann aufschreckte, als das Gespräch plötzlich völlig abglitt und der smarte Kachelmann unvermittelt zugab, dass er große Angst davor hat, 50 zu werden. Aha. Halbwegs interessant war noch, dass Hartmann mit seiner neuen Frau, die „wirklich Ahnung hat“, viel über Fußball spricht – und der kernige Bayer dies als Geheimnis des Gelingens seiner guten Beziehung beschrieb.

Während der EM wird die ARD Frau Maischberger mit dem Thema Fußball verschonen. In Österreich und der Schweiz sind Pocher und Hartmann für den Sender im Einsatz – und zwar in den erschreckend vielen Quassel-Einlagen rund um die Spiele.



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