Von Heike Hübscher, 22.07.08, 18:40h, aktualisiert 23.07.08, 09:24h
Im Buch packt der Autor den Leser eine DIN-A4-Seite lang, dann geht es mit der nächsten Geschichte in eine ganz andere Richtung - ebenso spannend. Da kauft zum Beispiel Marie auf dem Trödelmarkt ein offenbar altes, aber ungelesenes Buch, auf dem ihr Name steht. Schnell vertieft sie sich darin und stellt fest, dass es von ihrem Leben erzählt - bis zum Ende. In einer anderen Geschichte trifft der Protagonist eine Elfe. „Man weiß nie, was einem auf der nächsten Seite begegnet“, umschreibt der Autor sein Buchkonzept.
Die Idee zu den Kurzgeschichten entstand, als „ein Freund mich mal gefragt hatte, ob ich ihm bei seinem Computer helfen könne“, erinnert er sich. Anfang der 90er Jahre seien Textprogramme alles andere als benutzerfreundlich gewesen. Als er die dementsprechende Software installiert hatte und ausprobieren wollte, „war es mir zu blöd, irgendetwas zu tippen. Also habe ich eine Geschichte, den »Vampir«, geschrieben.“ Eine halbe Stunde brauchte er dazu - und war selbst überrascht, wie gut es geklappt hat. Jetzt, 16 Jahre später, sind zu der ersten Geschichte noch weitere 150 DIN-A4-Texte dazugekommen.
Kinderbuch geplant
Die ungewöhnlich lange Entstehungszeit erklärt sich schnell: „Ich habe immer mal für mich und meine Schublade geschrieben.“ Erst durch Anregung seiner Frau und aus dem Freundeskreis sei ein Buch daraus geworden. Ein fesselndes. „Die Geschichten funktionieren, weil sie so kurz sind. Auf mehrere Seiten gezogen, würden manche nicht mehr wirken“, glaubt Walther.
Der gelernte Werbetechniker beschriftet hauptberuflich in Handarbeit Trauerschleifen. „Kalligraph“ nennt er seinen Splitterberuf. Er kam dazu - ganz wie der Wechsel von einer zur anderen Geschichte - unerwartet. Ein Freund der Familie wollte sein Geschäft auf dem Großmarkt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterführen. Statt Grafikdesign zu studieren, entschied sich der Sohn einer Gärtnerfamilie für die Selbstständigkeit. Jetzt bemalt er seit zehn Jahren morgens Schleifen und schreibt an seinen Geschichten immer dann, wann es irgendwie geht. „Ich klau' mir meine Zeit“, sagt der Autor, der zu seinen Vorbildern „Stephen King, Terry Pratchett, Douglas Adams und natürlich Tolkien“ zählt.
Neue Ideen, die laut Walther seit Erscheinen des Buches nur so sprießen, sortiert er in seiner „Ideenbox“ ein, bis er Zeit findet. Denn der Vater von zwei kleinen Kindern möchte sein Familienleben nicht vernachlässigen. „Autor zu sein, verlangt großen Idealismus“, sagt er. Und er schreibt vor allem, „um den Kopf freizubekommen“. Das nächste Buch mit Kurzgeschichten ist für 2010 geplant. Danach soll ein Kinderbuch folgen. Damit will er aber noch warten, bis seine eigenen Kinder größer sind: „Sie werden dann meine besten Kritiker sein.“
Markus Walther: Gute und böse Nachtgeschichten, Persimplex Verlag, Wismar, ISBN 978-3-940528-17-9, Preis: 18,20 Euro.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige