Von Steffi Breitbarth, 08.09.08, 17:06h
Der Asperger-Autismus ist eine Kontakt- und Kommunikationsstörung. Betroffene haben Probleme mit nonverbaler Kommunikation. Es fällt ihnen schwer, „zwischen den Zeilen zu lesen“. Ihre Mimik und Gestik scheint oft unangebracht. Asperger-Autisten haben eine andere Denk- und Wahrnehmungsstruktur. Sie nehmen selektiv wahr und denken isoliert, so dass ihnen oft der Zusammenhang für die Dinge fehlt. Das macht sich vor allem in persönlichen Beziehungen bemerkbar. Die Fähigkeit, zwanglose Beziehungen zu Fremden herzustellen und ein paar nette Worte zu wechseln, fehlt ihnen.
„Inselbegabung“
Oft sind diese Kinder sehr intelligent und haben eine Teilhochbegabung, die so genannte „Inselbegabung“. Das heißt: Sie kennen sich auf einem Gebiet überdurchschnittlich gut aus. Auch Störungen in der Motorik lassen sich bei vielen Asperger-Autisten beobachten.
In der Regel manifestiert sich die Störung zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr. Erkannt wird sie allerdings oft erst sehr viel später. So auch bei Ute Gagaridis' Sohn. Erst im Alter von elf Jahren stellten die Ärzte die Diagnose. Im Kindergarten hatte ihr Sohn bereits große Schwierigkeiten. „Er war von Anfang an verhaltensauffällig, hat erst mit vier Jahren angefangen zu sprechen. Er ließ sich nicht anfassen und war oft aggressiv.“ Aber die Erzieherin im Kindergarten sei sehr verständnisvoll gewesen, und so durfte ihr Sohn im Kindergarten eben barfuß laufen, weil er sich in dieser Zeit weigerte, Schuhe anzuziehen. In der Grundschule sei es dann noch schwieriger geworden, weil ihr Sohn nur sehr schwer Regeln einhalten könne. Auf dem Gymnasium jedoch konnte die besondere Lernumgebung, die Kinder mit Asperger-Syndrom brauchen, nicht mehr geschaffen werden. „So viel Stoff, in so kurzer Zeit und ohne Pausen, das ist einfach nicht drin“, erklärt Gagaridis. Obwohl ihr Sohn gerne das Abitur gemacht hätte, verließ er schließlich in der Oberstufe die Schule.
Das Leben eines Asperger-Autisten braucht in erster Linie Ordnung. Alles muss seinen Platz haben, Veränderungen lösen schnell eine Überforderung aus. Eltern müssen mit ihren Kindern immer wieder dieselben Abläufe wiederholen, bis die Kinder sie verinnerlicht haben. So kann schon das morgendliche Anziehen zum Problem werden, weiß Gagaridis. „Mein Sohn konnte sich bis er 15 war nicht alleine anziehen. Er hat einfach seine Sachen nicht gefunden. Manchmal kam er auch in Sportsachen nach Hause, weil er vergessen hatte, sich nach dem Sportunterricht umzuziehen.“ Den Tag müsse man genau strukturieren und alles permanent besprechen, erklärt die Mutter weiter. „Unvorhergesehenes oder Spontanes ist sehr schwierig.“
Viel gelernt
Heute sei ihr Sohn dazu in der Lage, sich zu äußern, wenn es ihm zu viel wird. Früher habe er dann auch schon mal mit Sachen um sich geworfen. Mittlerweile ist ihr Sohn in einer Kölner Einrichtung, die Jugendliche mit Asperger-Autismus auf eine Ausbildung vorbereitet. Dort werden die Betroffenen in Kleingruppen gefördert und schließlich auch während der Ausbildung begleitet. Auch privat läuft es für den Sohn von Ute Gagaridis mittlerweile besser. Er trifft sich mit Freunden, wenn auch immer noch nicht spontan, sondern nach vorheriger Planung. „Die Mädchen finden ihn süß“, schmunzelt Gagaridis.
Ute Gagaridis verfügt über einen großen Erfahrungsschatz rund um das Thema Asperger-Autismus und den möchte sie mit anderen Betroffenen teilen. Am 9. September, also heute, trifft sich daher eine von ihr initiierte neue Selbsthilfegruppe um 19.30 Uhr zum ersten Mal am Friedrich-Wilhelm-Raiffeisenplatz 4 in Burscheid-Hilgen.
„Es haben sich auch schon einige Eltern gemeldet“, berichtet Gagaridis. Ihr sei der Austausch und die gegenseitige Unterstützung in der Selbsthilfegruppe ebenso wichtig wie die Aufklärung, erklärt sie. Sie hofft, auf Menschen zu treffen, die mit ihr gemeinsam Aufklärungsaktionen planen. Eingeladen sind Eltern und auch andere Angehörige von Betroffenen aus Burscheid und Umgebung.
Bei Fragen steht Ute Gagaridis unter 0170 / 2 17 20 69 oder 02196 / 97 33 82 zur Verfügung.
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