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Abitur 1947

Klausuren von Stockhausen gefunden

Erstellt 17.10.08, 14:51h, aktualisiert 30.11.08, 16:14h

Im Archiv des NCG lagerten die Unterlagen des berühmten Komponisten. Zwar wusste Wilfried Lammert, dass Karlheinz Stockhausen am NCG Abitur gemacht hatte, dass es aber die Klausuren noch gab, war eine Überraschung.

Karlheinz Stockhausen
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Karlheinz Stockhausen
Bergisch Gladbach - Lehrer Wilfried Lammert hatte zwar gewusst, dass der weltberühmte Komponist Karlheinz Stockhausen am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium Abitur gemacht hat. Aber als er nun im Keller des Gymnasiums tatsächlich vier Abiturklausuren aus dem Jahr 1947 sowie ein Lehrer-Gutachten über Stockhausen und einen von diesem verfassten Lebenslauf in den Händen hielt, war er fassungslos. Während er der Reporterin und dem Fotografen das NCG-Archiv zeigte, war ihm eingefallen, dass er nach den Unterlagen dieses „grandiosen Mannes“ ja mal suchen könnte. Der 2007 verstorbene Komponist, der in Kürten lebte, war nicht nur in seinem mutmaßlichen Lieblingsfach Musik ein guter Schüler. Seine Abitur-Klausur in Latein absolvierte er mit der Note „gut“, Mathematik beherrschte er sogar „sehr gut“, und in Englisch bekam er ebenfalls ein „gut“. Er hat „den Stoff lebendig und nicht ungeschickt formuliert“, schrieb sein Lehrer unter die Arbeit. In einem Deutschaufsatz musste sich Stockhausen mit der Frage: „Ist Macht unsittlich?“ auseinandersetzen - dafür erhielt er die Note „befriedigend“ und die Anmerkungen: „Das Thema ist dem Verfasser ein Anreiz gewesen“. Er habe es „gedanklich recht tief ausgebeutet“. Das Gutachten des Lehrers über Karlheinz Stockhausen ist sehr positiv: „Er ist ein frischer gesunder junger Mensch, der im Unterricht äußerst lebhaft ist, da gute Begabung und großer Eifer ihn leiten.“

Wie der Schüler selbst in seinem Lebenslauf schilderte, besuchte er ab 1942 eine Lehrerbildungsanstalt, bis er bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in einer Krankensammelstelle arbeiten musste. „Nach einer sechsmonatigen Tätigkeit in der Landwirtschaft trat ich am 15.10.1945 in die Klasse 8 des Gymnasiums Bergisch Gladbach ein“, schreibt er. „Anfänglich wirkte seine Art überheblich“, urteilt der Lehrer in seinem Gutachten, „doch hat der gesunde Einfluss der Klasse ihm zu einer richtigen Selbsteinschätzung verholfen. . . Bei den Kameraden ist er wegen seines frischen heiteren Wesens sehr beliebt.“ Dabei hatte es der Schüler Stockhausen nicht leicht: „Da mein Vater, der seit 1936 Angehöriger der deutschen Wehrmacht war, im Februar 1945 sein letztes Lebenszeichen aus Ungarn von sich gab, besuchte ich unter schwierigsten Verhältnissen die Schule.“ Um die große Verantwortung des jungen Stockhausens wusste auch der Lehrer, der das Gutachten verfasste: „Da er sehr musikalisch ist, verdient er einen Teil des notwendigen Lebensunterhaltes als Klavierspieler in einem Gasthaus oder als Einüber kleiner Laienspiele. Wohl bemerkt man ihm manchmal das Fehlen der Nachtruhe an, aber seine Leistungen sind im ganzen gut.“ (kad)



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