kalaydo logo
stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Schriftgröße

Karnevalsauftakt

Fastelovend, wie er früher einmal war

Von Hans-Günter Borowski, 10.11.08, 19:47h

Es ist ein Sessionsstart mit Wehmut für die Leichlinger Karnevalisten: Ohne Prinz und Dreigestirn wird die neue Session eingläutet. Am 11. im 11. erinnern die Brauchtumshüter an die urwüchsigen Anfänge des Fastelovends.

Karneval Leichlingen
Bild vergrößern
Fastelovend nach alter Manier: Als „Bergische Schankmaid“ will Bärbel Born am Karnevalssonntag beim Heimatverein in die Bütt steigen. (Bild: privat)
Karneval Leichlingen
Bild verkleinern
Fastelovend nach alter Manier: Als „Bergische Schankmaid“ will Bärbel Born am Karnevalssonntag beim Heimatverein in die Bütt steigen. (Bild: privat)
Leichlingen - Schon wieder kein Prinz an der Wupper. Und auch kein Dreigestirn. Die Leichlinger Karnevalisten schauen beim Auftakt zur Session etwas traurig in die Röhre. Jahr für Jahr kämpft der Blütensamstagszug um mehr Teilnehmer. Die Sitzungen leiden wie überall im Rheinland unter Zuschauerschwund, unter fehlendem Eigengewächs und unter den horrenden Gagen des Kölner Niveaus. Einen lebendigen Hoppeditz, der heute Abend aus der Kiste springen könnte, gibt es mittlerweile auch nicht mehr - nur noch eine Puppe, die den Karnevalspatron verkörpert.

Die fünfte Jahreszeit wird also auf Sparflamme eröffnet. Und zwar charakteristischerweise nicht mehr wie so oft im traditionsreichen Saal von Haus Klippenberg oder standesgemäß auf Schloss Eicherhof, wie im vergangenen Jahr. Auf Restaurant-Größe ist das närrische Gefolge geschrumpft, das heute Abend um 20.11 Uhr im „11 B“ an der Bahnhofstraße (nomen est omen) die Session einläutet.

Krisensymptome

Kein Wunder, dass der Leichlinger Heimatverein Alarm schlägt und - am magischen 11. im 11. - den Niedergang des örtlichen Fastelovends befürchtet: „Wir machen uns in letzter Zeit ernsthafte Sorgen um unser heimatliches Brauchtum“, so Vorsitzender Heinrich Witprächtiger. Er muss es wissen, zählte er doch in den 60er und 70er Jahren zu den Initiatoren des blütenstädtischen Karnevals. Er war einer der ersten Prinzen und hat den Blütensamstagszug mit aus der Taufe gehoben. Und als Heimatforscher wissen er und seine Vereinskollegen, dass die Wurzeln des närrischen Treibens hier weit zurückreichen. 1832 bereits soll es einen „Leichlinger Karnevalsverein“ gegeben haben. Er tafelte bei „Kösters Kathrin'chen“, dem späteren „Haus Meffert“. Im „Verkündiger an der Nieder-Wupper“ stößt man im Jahre 1858 auf die älteste Anzeige eines Fastnachts-Balles im Lokal von Johann Weber in Bergerhof. Auf dem Berg muss es damals besonders fröhlich zugegangen sein. Dort gab es schon früh einen Karnevalszug, von unorganisierten Jecken angetrieben und mit aus alten Klamotten zusammengenähten Kostümen. Von Belustigungen, Fastnachts-Konzerten, Tanzbällen und Maskenverkäufen ist in den Annoncen der folgenden Jahrzehnte regelmäßig die Rede. Im Lokal Haas, bei Theodor Blasberg in Freienhalle und in der Wirtschaft Dornhaus am Bahnhof knallten die Korken, der Leichlinger Turnverein feierte Ende des 19. Jahrhunderts ebenso wie der katholische Jünglingsverein, der bei Hollenbach humoristische Vorträge aufführte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das „Germaniabad“ zu den Hochburgen der Jecken. Hier betrieb die „Liedertafel“ mit Elferrat und eigenen Kräften die Narretei. Bei den Kajuja-Sitzungen der Katholischen Jugend konnte man den Pastor in der Bütt erleben. Warum diese Quellen in den 1960er Jahren nahezu versiegt waren, ist nicht ganz klar. Damals waren es das Volksbildungswerk und dessen Jugendkreis, die den Fastelovend wieder ankurbelten, eine eigene Tanzgruppe, die „Baby-Girls“ auf die Beine stellten und im „Haus Klippenberg“ feierten. Bald standen hier auch die „Bläck Fööss“, Lotti Krekel, „Müllers Aap“ und Kurt Lauterbach auf der Bühne.

1973, anlässlich der Tausendjahrfeier der Stadt, initiierte der Jugendkreis die Gründung des stadtweiten Festkomitees. Roman Wadas war der erste Leichlinger Karnevalsprinz. Der Sturm aufs Rathaus begann. Der Leichlinger Blütensamstagszug wurde zum Stolz und Aushängeschild des närrischen Treibens an der Wupper.

Mundart statt Stars

Dass diese Tradition im Moment wieder abzureißen droht, will der Heimatverein nicht hinnehmen. Er will (wie es auch in vielen Pfarrgemeinden und Schulen geschieht) dort anknüpfen, wo alles begann und das Karnevalstreiben von unten wieder beleben, mit selbstgenähten Kostümen und handgemachten Orden, mit eigenen Büttenreden, heimischen Nachwuchskräften, Tanzcorps und Kapellen, mit Lokalkolorit und bergischer Mundart statt teuren TV-Stars und Import-Witzen.

Unter dem Motto „Mer fiere Fastelovend“ will er am Karnevalssonntag, 22. Februar, in der Aula eine solche Sitzung nach alter Manier auf die Bretter bringen. Ein Programmpunkt steht schon fest: Bärbel Born, eines der jüngsten Mitglieder im Heimatverein, will als „Bärbelsche, die bergische Schankmaid“ in die Bütt gehen. Um „reinen Tisch zu machen“ oder „abzurechnen“ - ihr Motto ist noch nicht ganz sicher. Aber ihr Kostüm hat sie schon fertig - selbst gemacht.

Wer Interesse hat, an der bergischen Sitzung des Heimatvereins mitzuwirken, ist beim Vorbereitungstreffen am Mittwoch, 19. November, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus Am Hammer willkommen.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Jecke Bildergalerien


KARNEVALSORDEN


KSTA-TV


Die Karnevalszüge 2009


WAS.WANN.WO.


Session 2009


Neues Vereinsportal


RHEINLAND WETTER


Polizeimeldungen


Stadtmenschen Community


Dienste