Von Claudia Grosse, 01.03.09, 17:06h, aktualisiert 02.03.09, 09:42h
Denn als roter Faden dient Frohleiks nicht nur ein aufgemotztes Bügelbrett, das mal als Spiegel, mal als Thekentisch, mal als Schlitten zum treuen Bühnenpartner avanciert. Es ist die bedauernswerte Spezies Mann, die er in seinem 100-Minuten-Programm immer wieder auferstehen lässt; die vergeblich der Emanzipation und dem Wunschbild von Frau hinterher hechelt, die ein Einkaufszettel ebenso zur Verzweiflung bringt, wie der DSL-Anschuss.
Nicht nur die männliche Unzulänglichkeit bekommt ihren Raum: Da wird Berlusconi auf köstliche Weise imitiert und zum Helden erkoren - gute Satire. Reich-Ranicki lässt er mit schmetternder Stimmgewalt Bedeutungsvolles sagen - schöne Persiflage. In Rosis Kneipe treffen sich der Bayer, der Norddeutsche, der Berliner und der Ruhrpottler zum Stammtischgespräch - bitterböse Komik, bei der man zuweilen vergisst, dass nur ein Mann auf der Bühne steht. Denn tatsächlich schlüpft Frohleiks sekündlich in die nächste Rolle, springt mit Leichtigkeit von einem Dialekt zum nächsten, mimt ebenso überzeugend den Gewinnertyp wie den anrührenden Verlierer. Scharfzüngig werden Finanzkrise, Pisa-Studie, Bundesregierung, Bush und Kirche an den Pranger gestellt. Doch abwechslungsreich kommen nicht nur Themen, Texte und stimmliches Timbre daher. Ob im Zeitlupentempo oder beim Diskobeat: Frohleiks sorgt darüber hinaus mit ausgefeilter Bewegungskultur für Facettenreichtum. Und er singt. Beim Tanz mit dem Bügelbrett meint man Grönemeyer persönlich zu hören, als Herbert van Veen schwört er Angela Merkel seine Liebe, Udo Lindenberg muss für den Verlierer-Song herhalten. Frohleiks schafft es 100 Minuten lang immer wieder, dass dem Publikum die Lach-Tränen in die Augen schießen.
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