Von Michaela Paus, 23.02.09, 12:06h, aktualisiert 23.02.09, 12:09h
Das war 1993. Seither haben sich die mehr als 30 "Guggen" aus der Ostschweiz als eine Art Traditionsgruppe im bergischen Karneval etabliert. Buchstäblich mit Pauken und Trompeten feiern sie jedes Jahr mit, denn Blas- und Rhythmusinstrumente sind die "klassische Besetzung" der Guggenmusik. Die zeichnet sich laut Gügg Lampert vor allem durch "musikalische Freiheit" aus. Oder, wie "Mehrzweckblaari"-Präsident Dani Allenspach (24) es ausdrückt, durch viel Improvisation: "Nur ein Teil von uns kann Noten lesen. Deshalb spielen wir nach Gehör und ohne große Arrangements."
Metal bis Musical
Entsprechend spontan muss man sich die Proben der Laienkapelle um den musikalischen Leiter Mario Tanner vorstellen. "Jeder kann Stücke vorschlagen. Und unsere Musikkommission wählt dann aus", erzählt Allenspach. Das Repertoire der Gruppe, um deren schillernde Fantasie-Kostüme sich eine "Stoffkommission" kümmert, reicht inzwischen von Metal bis Musical, von Schlager bis Pop. Alles bekannte Stücke, die aber in der "Guggen"-Version vor allem schräg-vergnügt und mitreißend klingen. Sogar das kölsche "Einmol Prinz zo sin" hat der Waldstätter Verein, der übrigens bereits zwei CDs veröffentlichte, schon zu einem Guggenstück umgemünzt. Verständigungsschwierigkeiten kennen sie indes nicht. "Ich hab' auch eine kölsche Karnevals-CD zu Hause", verrät Allenspach mit Schweizer Akzent.
Zu dem vollen Programm, das die "Mehrzweckblaari" hier in vier Tagen absolvieren, gehören die Karnevalszüge in Bensberg und Bergisch Gladbach. Und natürlich die "Nacht der Nächte", die große Kostümparty der KG Alt Paffrath in der IGP, wo die Schweizer am Samstag ihr Jubiläumsprogramm gezeigt haben: ein Feuerwerk aus Musik und pyrotechnischen Effekten. Schließlich feiern die "Blaari" in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen, die KG Alt Paffrath hat ihren 33. Geburtstag.
Die Paffrather sind es auch, die die "Mehrzweckblaari" jedes Jahr einladen. Ehrenpräsident Peter Esser holte die Gruppe 1993 erstmals nach Gladbach. "Im Jahr davor hatte ich beim jecken Sturm auf die Hermann-Löns-Kaserne eine Schweizer Kapelle kennen gelernt und spontan zu unserer Kostümparty eingeladen", erinnert sich Esser. Es war ein voller Erfolg. Als er im Jahr darauf von einem Bekannten gefragt wurde, ob er gerne wieder Guggenmusik - dieses Mal die "Mehrzweckblaari" - in Paffrath hätte, sagte Esser sofort Ja.
Inzwischen hat es einen Generationenwechsel bei den "Blaari" gegeben. Neben "Urgesteinen" wie Gügg Lampert sind es heute vor allem die Jungen, die in der Kapelle den Ton angeben. Außerdem hat sie zwei Gladbacher Mitglieder bekommen: Janny und Jupp Appolt von der KG Alt Paffrath wurden vor neun Jahren offiziell zu "Guggen" ernannt. "Wir können zwar nicht so oft bei Proben mit dabei sein, gehen aber jedes Jahr mit der Gruppe mit", erzählt Janny Appolt und betont die herzliche deutsch-schweizer Freundschaft, die beständig gewachsen sei.
Auch so manche Anekdote haben die "Guggen" im Bergischen erlebt. "Am Schönsten war eine Begegnung mit Willy Millowitsch in der Kölner Bastei", schwärmt FC-Fan Gügg Lampert. Leicht peinlich sei indes eine Szene gewesen, die sich vor Jahren in der IGP abspielte. "Mir wurde eine gewisse Heidi Klum vorgestellt. Mir sagte der Name damals nichts. Also bin ich einfach auf die hübsche junge Frau zugegangen und habe ihr ein Bützchen rechts und links gegeben." Seine jungen Kollegen hätten ihn entgeistert angeschaut, berichtet Lampert schmunzelnd. "Heidi hat sehr freundlich reagiert, dachte wahrscheinlich: Der Junge kommt halt von der Alm."
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|