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Altenberger Dom

Mitreißend intonierte Finsternis

Von Günter Jeschke, 15.06.09, 17:34h, aktualisiert 15.06.09, 17:38h

Ein fulminantes Konzert im Altenberger Dom bedeutete einen gelungenen Einstand für den neuen Intendanten des Festivals, Werner Erhardt. Ein Chor aus Weißrussland und ein Orchester aus Köln glänzten zur Eröffnung des Kultursommers.

Konzertchor
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Der Konzertchor der Staatlichen Musikakademie Minsk sang im Altenberger Dom. (Bild: dino)
Konzertchor
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Der Konzertchor der Staatlichen Musikakademie Minsk sang im Altenberger Dom. (Bild: dino)
Odenthal - Eine prachtvoll gelungene Oratorienaufführung von Georg Friedrich Händels „Israel in Egypt“ eröffnete im Altenberger Dom den „Kultursommer 2009“. Gleichzeitig gedachte man des 250. Todestages des Komponisten; und dem neuen Intendanten des Festivals, dem Dirigenten und Experten für Alte Musik, Werner Ehrhardt, gelang ein fulminanter Einstand.

Den Erfolg erreichte er einerseits mit dem von ihm gegründeten und geleiteten jungen Orchester „L'arte del mondo“ und andererseits mit dem Konzertchor der Staatlichen Musikakademie Minsk, mit dem er das Werk bereits im Mai diesen Jahres in der weißrussischen Hauptstadt präsentiert hatte.

Beide Musikgemeinschaften waren glänzend aufeinander und auf die manchmal doch problematische Domakustik eingestellt. Es bereitete Freude, wie die jungen, engagierten Musiker Töne und Stimmen mit deutlichen Pausen im Gewölbe verklingen ließen. Ungewöhnlich für heutige Inszenierungen war die Verwendung der dreiteiligen Fassung des Werkes, die Händel später selbst auf die zwei letzten Teile verkürzte. So wurden die Anforderungen an den Chor noch erhöht, denn der erste, fast einstündige Teil - in der Konzertliteratur mit geringen Änderungen auch als Trauerhymne auf den Tod der Königin Karoline geführt - enthält nach einer dumpf klagenden Orchesterintroduktion ausschließlich zwölf Chorstücke. Darin werden die Klagen Israels über Josephs Tod besungen. Die Chöre sind dabei schlichter gestaltet als in den folgenden Teilen, aber dennoch anspruchsvoll.

Die Darbietung erreichte nach einem in die Klage mitnehmenden Beginn einen Höhepunkt beim Stimmungswechsel vom weichen, gefühlvollen „Their bodies are buried in peace“ zum kontrastierenden, lebhaften „but their name liveth evermore“.

Es gab allerdings in diesem ersten Teil mit Passagen, die textunverständlich gesungen wurden, auch langatmige Momente. Das war in den folgenden zwei Teilen, die zusammen wieder etwa eine Stunde dauerten, auch nicht ansatzweise der Fall. Orchester und Chor brillierten mit eindrucksvollen Sätzen über die Plagen, die die Ägypter bestraften.

Zu den gesungenen Texten erschienen in barocker Lautmalerei aus dem Orchester Fliegen, Heuschrecken, tropfender Regen sowie Hagelschauer mit Donner und sausende Schwerter, die die Erstgeborenen töteten.

Mitreißend waren die Intonationen zur Finsternis, die über das Land kam. Dazwischen eine Arie des Countertenors Benno Schachtner über die hüpfende Froschplage - sie hätte eindringender ausfallen können. Diesen Plagen folgte der Auszug der Israeliten, der in groß herausgestelltem Lobgesang gipfelte, in dem sich die einzelnen Chorstimmen perfekt ineinander verwoben.

Der dritte Teil umfasste den Lobgesang Moses über die Freiheit seines Volkes. Er wurde durch teils achtstimmige Doppelchöre brillant gesteigert. Diese wurde durch ein Duett zweier klarer Sopranstimmen (Katja Stuber und Hanna Morrison) und eine besonders gut textverständliche und in der Höhe überzeugende Arie des Tenors Ulrich Cordes ergänzt. Das für zwei Bassstimmen vorgesehene Duett fiel dagegen ab. Im Schlussjubel setzten der Chor und besonders Katja Stuber noch einmal einen Höhepunkt.

Der Beifall der Zuhörer, die das Mittelschiff des Domes voll besetzten, erfolgte stehend und galt neben dem Dirigenten besonders der russischen Chorleiterin Inessa Bodyako.



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