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Wanderung

Historisch vernachlässigt

Von Stefan Andres, 26.07.09, 19:14h, aktualisiert 27.07.09, 11:24h

Am Samstag bot die SPD eine historische Wanderung an, bei der der Leichlinger Westen historisch erkundet wurde. Eingeladen hatte SPD-Kandidat Reinhold Rünker, schließlich ist er Historiker.

Historische Wanderung
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Vorbei am stillgelegten Monteferro-Gelände führte die historische Wanderung durch Leichlingen. (Bild: Krieger)
Historische Wanderung
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Vorbei am stillgelegten Monteferro-Gelände führte die historische Wanderung durch Leichlingen. (Bild: Krieger)
Bodendenkmal
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Kleiner Rest der berühmten Leichlinger Sandberge. Dieser Berg ist heute als Bodendenkmal geschützt. BILDER: RALF KRIEGER
Bodendenkmal
Leichlingen - Das Haus, in dem heute „Ida's Nagelparadies“ Maniküre anbietet, gab dem Treffpunkt für die historische Wanderung der SPD am Samstag einst den Namen: „Zum schwarzen Adler“ hieß die Gaststätte, und Straße und Bushaltestelle „Am Adler“ waren Ausgangspunkt für den Rundgang, mit dem der Leichlinger Westen historisch erkundet werden sollte. Wer Gegenwart und Zukunft gestalten will, sollte sich die Geschichte zu Eigen machen, dachte sich Reinhold Rünker, SPD-Kandidat für den Wahlbezirk 4, schließlich ist er Historiker. „Ich bin selbst erst vor einigen Jahren zugezogen, und ich finde es wichtig zu wissen, wo man hier eigentlich lebt.“ Also lud er zu einer historischen Wanderung von Stockberg über Ziegwebersberg bis Müllerhof und engagierte als fachkundigen Referenten den früheren Stadtarchivar Joachim Köhler. „Stiefmütterlich“ werde die Stadt auf dieser Seite der Wupper seit jeher aus historischer Sicht behandelt, räumte Köhler ein: „Urkundliche Belege fehlen nahezu vollständig.“ Dennoch: Köhler löschte den Wissensdurst der zwölf Teilnehmer, Rünker reichte dazu Kaffee und Kuchen aus seinem Bollerwagen.

Bodendenkmal

Schon an der ersten Station waren alle Teilnehmer mit heißem Kaffee und Muffins versorgt. Der kleine, aber weithin sichtbare Rest der Sandberge bot einen Rückblick in die industriegeschichtliche Entwicklung der Stadt: Jahrhundertelang war der Sand industriell genutzt worden. In den 1970er Jahren war die bis zu 30 Meter hohe „Sandbergherrlichkeit“ abgegraben, der Rest ist heute Bodendenkmal. Die Brücke an der Deponie schließt etwa an diese Zeit an: Damals sei man, so Köhler, bestrebt gewesen, eine „autogerechte Stadt“ zu sein. Zum Autobahnanschluss freilich hat es bis heute nicht gereicht. Weiter ging es über das stillgelegte Gelände der Firma Monteferro. Nach dem Krieg bis Ende der 60er Jahre haben böhmische Glasschleifer dort „Leichlinger Rheinkristall“ hergestellt.

„Es ist immer spannend zu gucken, wie sich eine Stadt auch industriell entwickelt hat“, staunte SPD-Landratskandidat Gerhard Zorn aus Overath. Auf dem Kapellenweg in ländlicher Umgebung, vorbei an grasenden Kühen, wurde die Stadtgrenze zu Langenfeld überschritten. Das Kapitel, das Köhler dort aufschlug, ist ein dunkles: Er erinnerte an die Erschießung von Kleinkriminellen durch die Nazis am Wenzelnberg vor Kriegsende.

In der Eisenbahnunterführung ließ tiefer Morast die Wanderung nur kurz stocken, auf dem Gravenberger Weg erreichte man wieder Leichlingen. Müllerhof hat nicht nur historisch etwas zu bieten: Der Hof existiert nicht mehr, dafür zieht das „Neuschwanstein an der Wupper“ die Blicke auf sich. Auch über das skurrile Traumschlösschen, das ein Bauherr in einem mutigen Stilmix seit vielen Jahren baut, wusste Köhler zu berichten. Dennoch blieb es mindestens so geheimnisvoll wie die Motte nebenan. Köhler: „Man hat dort Mauerreste gefunden, aber die Grabungen verraten nichts über die einstige Verwendung.“

Entlang der Wupper ging es weiter bis Staderhof, wo bereits steinzeitliche Funde gemacht wurden. Das Schulzentrum auf der anderen Seite des Flusses lugte über Baumwipfeln hervor. „Wir haben vieles über Leichlingen erfahren, das wir vorher nicht wussten“, zog eine Teilnehmerin ein Fazit. An der dringend sanierungsbedürftigen Brücke Windgesheide holte auch die lokalpolitische Gegenwart die Geschichte ein. „Natürlich gehört die Gegenwart zur Vergangenheit“, sagte Teilnehmer Gerhard Wisotzky, selbst Mitglied im Bergischen Geschichtsverein. Der Leichlinger Westen sei „ein interessantes Gebiet“, befand er nach zweieinhalb Stunden Wanderung zufrieden, „ich habe viele Sachen gehört, die ich eigentlich wissen müsste.“



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