Von Christian Leinweber, 03.08.09, 17:03h, aktualisiert 03.08.09, 17:23h
Mit Bassist Max Schmitz und Schlagzeuger Benny Korn spielte Ettrich eine wilde Blues-Mischung, frisch und fern von jeglichem Altherrenrock. Eine Schublade dafür hat sich die Band selbst kreiert: „Wir haben alle Blues-Stilistiken verinnerlicht und daraus Deep-Blues Crossover gemacht“, so Schmitz. Mit einer Mischung aus Eigenkompositionen und Coverversionen bestritten „The Almost Three“ ein gut eineinhalbstündiges Set, das die Besucher von Anfang an in den Bann zog. Nicht alle, wohlgemerkt. Eine Dame hatte mit einer Wespenattacke zu kämpfen, anderen lief das Regenwasser in die Sitzfläche und ein paar Fußballfans schauten sich das Spiel Neckarelz gegen Bayern München an.
Die Spannung bauten „The Almost Three“ mit schlafwandlerischer Sicherheit auf. Mal mit treibend-schnellem Hillbilly-Blues, dann wieder ausufernd mit psychedelischen Gitarrensoli oder staubtrockenen Rockstampfern - langweilig wurde es beim Zuhören nicht. Und selbst zwischen den Stücken war Unterhaltung angesagt: Sänger Ettrich brachte mit seinen trockenen und humorvollen Kommentaren die Menge regelmäßig zum Lachen. Das veranlasste einige Besucher, offensichtliche Parallelen zu ziehen: „Der sieht ein bisschen aus wie Helge Schneider“, hörte man nicht selten munkeln. Der kommt ja auch aus Mülheim. Der Humor passt auch ins Bild. Aber, und das ist entscheidend, Ettrich ist ebenso wie Schneider ein begnadeter Musiker. Und mit seinen nicht minder begabten Bandkollegen lieferte er mit jedem Stück erneut den Beweis dafür.
Gute Referenzen
An Referenzen mangelt es den Bandmitgliedern nicht: Von Phillip Boa and the Voodoo Club bis hin zu Birth Control und 78Twins finden sich hochgelobte Formationen auf ihrer Liste. Da darf man auch mal posen. Und so stellte sich Ettrich auf den ersten verfügbaren Biertisch, um zwischen Weizenbier und Burgern ein Gitarrensolo zu beenden. Ettrich, ganz bescheiden: „Das haben wir natürlich vor dem Konzert geprobt.“
Die unterhaltsame Darbietung von „The Almost Three“ kam beim Publikum an. Johlender Beifall nach jedem Stück und Szenenapplaus für Gitarren- und Schlagzeugsoli waren alles andere als Mangelware. Dass zum Schluss die Sonne doch noch herauskam, fiel da nicht ins Gewicht, passte aber wunderbar zu der funkigen Version von Lou Reeds „Take a Walk on the Wild Side“, die mit dem berühmten Gitarrenriff aus Led Zeppelins „Kashmir“ ein fulminantes Ende nahm. „Schön, dass ihr alle da wart, schön, dass wir da waren“, bedankte sich Ettrich beim Publikum. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen, bis auf folgenden Hinweis: Die sonntägliche Konzert-Reihe „Quirl Open Air“ läuft noch bis zum 30. September, die Evangelische Gemeinde bietet bei freiem Eintritt ein Musikprogramm, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.
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