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Bobbycar-Rennen

„Wer bremst, verliert”

Von Karin Grunewald, 20.09.09, 17:55h

An der Bobbycar-Meisterschaft in Rösrath nahmen über 100 Fahrer teil. Darunter befanden sich viele Profis, die mit fast 100 Stundenkilometern über die Straße rasten. Die Bobbycars waren dabei individuell gestaltet.

Bobbycar-Rennen Start
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Auf die Plätze, fertig, los: Von einer Rampe ging es auf die 750 Meter lange Rennstrecke. (Bild: ca)
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Auf die Plätze, fertig, los: Von einer Rampe ging es auf die 750 Meter lange Rennstrecke. (Bild: ca)
Rösrath - Eigentlich kann es jeder Zweijährige: anschubsen, Beine hoch und mit dem Radau von Kunststoffrädern auf Asphalt die Straße runterdüsen. Erwachsene in Lederkombi und Motorradhelm, die flach wie auf dem Rodler im Eiskanal liegend an der 100-Stundenkilometer-Marke kratzen, dürften die Wenigsten mit dem Bobby-Car verbinden. Bei der Deutschen Meisterschaft ist das Fahren auf dem Kultgefährt kein Kinderspiel mehr.

Der ausrichtende Automobil-Club Bergischer Löwe Rösrath (ACBL) macht für die weit mehr als 100 gemeldeten Teilnehmer am Wochenende die Hofferhofer Straße zur Rennstrecke. Bevor die erwachsenen Niki Laudas auf ihren Plastikferraris den Meister ausfahren, sind die Kinder an der Reihe. „Ein cooles Gefühl“, sagt Naomie (8), und ihre Freundin Sophie (9) hat vorher noch zu Hause die Räder geölt.

Während die beiden Rösrather Mädchen nur aus Spaß dabei sind, gibt es schon in der Klasse der Sieben- bis Neunjährigen kleine Profis, die halb Deutschland abreisen. So der Sieger Mika Domenik Mönch. Fast hätte er nicht teilnehmen können, weil die Familie auf dem Weg von Burbach im Siegerland eine Stunde im Stau stand. Nun ist der Neunjährige deutscher Meister und zieht eine Flappe, weil der Sieger in der Klasse der Jüngeren ein Bobby-Car erhalten hat und er „nur“ einen Pokal. Pokale habe er schließlich schon fünf.

Während die Kinder auf dem Siegertreppchen mit geschüttelten Mineralwasserflaschen ihren Sieg besprühen, steigt die Nervosität auf der Wiese ein paar hundert Meter weiter oben. Campingbusse, Picknickdecken, wehende Fahnen, Ghetto-Blaster. Es herrscht Camp-Atmosphäre- und die Bobby-Car-Szene kennt sich. Die meisten sind bei den zehn Weltcup-Rennen im Jahr dabei, von denen eines gleichzeitig die deutsche und eines die Europameisterschaft ist.

Annika Gödeke ist amtierende Europameisterin bei den Amateuren. Die zweifache Mutter aus dem Harz fährt erst seit diesem Jahr mit. „Ich hab immer nur Angst“, sagt sie, aber die scheint zu beflügeln. „Europameister klingt toll“ - auch wenn es mit kindlichem Eifer ein bisschen in die Tasche gelogen ist, denn in Europa hat sich die Veranstaltung noch nicht recht herumgesprochen. Fast alle Teilnehmer kommen aus Deutschland, was weder Leistung noch Spaß und Ehrgeiz der Fahrer schmälert. Auch im Bergischen hat es sich nicht recht herumgesprochen, denn das Spektakel hätte mehr Zuschauer verdient.

Von den Kinderrutschfahrzeugen ist meist nur noch die typische Form zu erkennen. Tigerfell auf grünem Korpus, goldfarbenes Alu-Riffelblech, Kettenglieder als Lenkrad und die Gewissensfrage: Vollgummi- oder Luftreifen? Bis zu 40 Kilogramm dürfen die modifizierten Cars wiegen, und das müssen sie auch, um der hohen Geschwindigkeit zu trotzen. „Viele gießen den Korpus mit Beton aus“, erklärt Vize-Europameister Peter Rennert. Er selbst hat Achsen und Lenkung mit reichlich Eisen ausgebaut. „Die Strecke ist der Hammer“, schwärmt er nach seinem ersten Lauf. 750 Meter, 66 Meter Höhenunterschied, 8,9 Prozent Gefälle.

„90 Stundenkilometer“, verkündet Erich Buchholz, Vorsitzender des ABCL, der mit Laserpistole und Starterlisten zwischen Rampe und Ziel pendelt. Die Startrampe gibt den ersten großen Schwung für jeweils zwei Fahrer in einem ausgeklügelten Startsystem. Wer zweimal verloren hat, ist raus. Flach wie ein Brett liegen die Fahrer wenige Zentimeter über dem Boden und sausen vorbei an Strohballen und Kameras. Ohne Antrieb, ohne jeglichen CO2-Ausstoß, ohne die Gewissheit, unverletzt durch die Kurven zu kommen. Da kann es nur heißen: Augen auf und durch. Oder, wie der Meister Mika Domenik sagt: „Wer bremst, verliert."



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