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Vernissage

Die Gewalt hinterließ Spuren in der Erde

Von Michaela Paus, 08.10.09, 16:20h

Zur Eröffnung der Ausstellung „Abdrücke des Krieges“ von Peter Möbus spielte Friedrich Höricke Rachmaninows „Études Tableaux“. Dessen Musik hörte Möbus auch während des Schaffensprozesses seiner Kunstwerke.

Vernissage Peter Möbius
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Künstler Peter Möbus (l.) und Pianist Friedrich Höricke vor dem Bilderzyklus. (Bild: Nonnenbroich)
Vernissage Peter Möbius
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Künstler Peter Möbus (l.) und Pianist Friedrich Höricke vor dem Bilderzyklus. (Bild: Nonnenbroich)
Bergisch Gladbach - „Diese Landschaftsgemälde haben einen doppelten Boden.“ So hat einmal eine Betrachterin den aktuellen Bilderzyklus von Peter Möbus beschrieben. Tatsächlich erinnern die meist von Blautönen dominierten Gemälde nur auf den ersten Blick an Seestücke mit tobenden Stürmen, dunklen Wolken. Hinter den Farbschichten, die von einem dynamischen Malgestus zeugen, werden weitere Ebenen sichtbar: Krater, die an verlassene Mondlandschaften erinnern, verkohlte Bäume, tote Menschen. Es sind historische Dokumentaraufnahmen von den Schauplätzen des Ersten Weltkriegs, die der Maler im Druckverfahren auf Teile der Leinwand aufgebracht und übermalt hat.

Schemenhaft

„Abdrücke des Krieges“ lautet der Titel der sehenswerten Ausstellung, mit der der Gladbacher Maler seinen aktuellen Bilderzyklus im Rathaus Bensberg vorstellt. Neben fünf großformatigen Arbeiten im Erdgeschoss des Ratssaals, die den Kern des Zyklus bilden, sind auf der Empore kleinere Werke zu sehen. Auch hier ist das Thema Krieg präsent. Im Farbenwirbel glaubt man, Figuren und schemenhafte Handabdrücke zu sehen. Ins Blau und Weiß mischt sich ein blutiges Rot.

Das Thema Erster Weltkrieg beschäftige Möbus gedanklich schon seit vielen Jahren. Das erklärte Herbert Rosner, Kurator des Kunstforums St. Clemens, bei der Eröffnung, bei der auch VHS-Leiterin Birgitt Killersreiter sprach. Dem mit (Seelen-) Landschaften bekannt gewordenen Maler geht es in dem Zyklus, der noch nicht abgeschlossen ist, nicht nur um das historische Geschehen. Für Möbus ist der Erste Weltkrieg zugleich Sinnbild für das Urthema Gewalt und für eine menschenverachtende Kriegsindustrie, die damals erstmals zum Einsatz kam. „Noch heute offenbart die Landschaft die Spuren der Gewalt und Zerstörung“, sagt Möbus und meint dies sowohl im metaphysischen als auch im ganz handfesten Sinne. „Die Erde dort gebiert noch immer Granaten.“ Der Künstler hat die Regionen der Vernichtungskämpfe in Flandern und Frankreich selbst bereist.

Eine weitere Ebene trugen die „Études Tableaux“ von Sergej Rachmaninow bei, die Möbus während des Schaffensprozesses hörte. Als Seelenverwandten sieht der Maler den russischen Komponisten, der neun der „Études Tableaux“ 1915 schrieb, in der Zeit des Krieges. Das intensive Zusammenspiel von Bildern und Musik war bei der Ausstellungseröffnung zu erleben. Der erfolgreiche Pianist Friedrich Höricke spielte an diesem Abend die „Études“, nach denen Rachmaninow 15 Jahre Schaffenspause einlegte. Melancholisch und empfindsam, aber auch kraftvoll und bewegt war der Kosmos aus Farben und Tönen. Zwischen den Stücken erläuterten Möbus und Höricke die Arbeiten des Malers und das Werk des Komponisten. Höricke betonte, dass weder die Bilder eine Illustration der Musik sind noch die Musik Kriegserlebnisse abbildet. Es ist eher die Stimmung seiner Zeit, die Rachmaninow in den „Études Tableaux“ anklingen lässt und für den Maler - aber auch für die Zuhörer - emotional erfahrbar macht.

Die Ausstellung im Bensberger Rathaus ist bis zum 15. Oktober zu sehen, zu den Öffnungszeiten des Rathauses. Im Kunstforum von St. Clemens in Köln-Mülheim läuft eine Ausstellung mit weiteren Bildern von Peter Möbus: bis 25. Oktober, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.



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