Von Stefan Kunze, 12.11.09, 18:58h
Darin geht es zum Beispiel um die „Erholung“. Die Gaststätte gegenüber der Alten Kirche gibt es heute noch. Das Gebäude lässt sich bis ins 17. Jahrhundert nachweisen und war damals ein landwirtschaftliches Gut. Nach mehreren Vorbesitzern kaufte 1873 Theodor Eschbach das Anwesen. Er eröffnete dort ein Gasthaus und betrieb eine Schnapsbrennerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Eigentümerfamilie Müller einen neuen Saal mit Kegelbahn bauen. Vor allem zu Karneval und Kirmes feierten die Refrather „rauschende Tanzfeste“, wie Hans Peter Müller in dem neuen Buch schreibt. Zwischen der „Erholung“ und dem Neubau führte allerdings die Straße durch, damals die Hauptstraße nach Bergisch Gladbach. So rannten die Kellner mit ihren Tabletts ständig über die Straße, um die durstigen Gäste mit Getränken zu versorgen.
Was heute undenkbar scheint, war damals kein unüberwindbares Problem. Zudem hielt sich der Autoverkehr in Grenzen. Nach mehreren Pächterwechseln übernahm 2002 Uwe Suckrau die „Erholung“. Kellner mit Tabletts auf der Straße gibt es schon lange nicht mehr. Der Saal wurde 1991 abgerissen, das Grundstück an die Stadt verkauft. Nach langen Diskussionen wurden dort große Wohnhäuser errichtet. Die „Erholung“ selbst ist immer noch ein Fachwerkhaus, das sich unter Putz verbirgt.
Einige Meter entfernt steht das ehemalige „Kickehäuschen“, heute „Ikos“. Dessen Geschichte begann 1910 mit Gerhards Neus Kiosk auf der Ecke des Grundstückes „Kicke / Auf der Kaule“. Auch er und seine Frau wollten vom wachsenden Strom der Wanderer profitieren. Die Geschäfte liefen gut. Bereits am 1. September 1913 legte Neu den Grundstein für das „Kickehäuschen“. Es war zunächst eine Kaffeewirtschaft. 1920 erhielt Neu die Konzession für den Ausschank alkoholischer Getränke. „Eine Spezialität war der Käsekuchen der Tante Lena aus Köln, die auch in der Backstube aushalf. Das Rezept war geheim“, schreibt Hans Peter Müller vom Refrather Bürger- und Heimatverein. Wie andere Wirte auch ließ Neu Werbepostkarten drucken und sorgte dafür, dass sie im hauseigenen Briefkasten eingeworfen werden konnten. Viele Ortsvereine nutzten die Räume des „Kickehäuschens“, vor allem nach dem Anbau des Saales 1927 / 28. In den 50er und 60er Jahren liefen die Geschäfte nicht mehr so gut, viele Cafés und Kneipen schlossen nach und nach. Die „Erholung“ und das heutige „Ikos“ gibt es noch.
Der Bürger- und Heimatverein Refrath stellt Band II der Buchreihe „Refrath - gestern und heute“ am Samstag, 14. November, 11 Uhr, vor dem Herrenhaus Steinbreche vor.
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