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Melancholodic

Pop vom „Idealistenpack“

Von Christian Leinweber, 13.12.09, 17:12h

Die Geschwister Sarah und Mario Rembold machen Popmusik, die polarisiert. Das Duo „Melancholodic“ dürfte deswegen eine der spannendsten Formationen sein, die Bergisch Gladbach zu bieten hat.

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Die Geschwister Sarah und Mario Rembold sind "Melancholodic". (Bild: CA)
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Die Geschwister Sarah und Mario Rembold sind "Melancholodic". (Bild: CA)
Bergisch Gladbach - Sie werden von Besuchern ihrer Homepage als „Idealistenpack“ beschimpft und von Politiker Wolfgang Thierse zum Besuch eingeladen: Das Duo „Melancholodic“ polarisiert offenbar und dürfte gerade deswegen wohl eine der spannendsten Formationen sein, die Bergisch Gladbach derzeit zu bieten hat. Seit neun Jahren machen die Geschwister Sarah Rembold (27) und Mario Rembold (32) zeitlose Popmusik, die sie bereits auf drei Alben gepresst haben. Und das in kompletter Eigenregie, sieht man einmal von ihren ersten beiden Songs ab. Die wurden nämlich 2001 von Eckhard Stoll im Studio des Bürgerfunks „Bergische Welle“ aufgenommen. Eine Initialzündung zur Eigenständigkeit, wie Mario Rembold beschreibt: „Wir haben uns nach den Aufnahmen mit eigenen Mikrofonen und einem Computer ausgerüstet und sind so unabhängig geworden. Seitdem basteln wir selbstständig an den Liedern und versuchen, mit einfachen Mitteln unsere Ideen umzusetzen.“

Poesie und Melancholie

Das aktuellste Beispiel hierfür: ihr Album „Die schönen Bilder“. Die zwölf Songs, viele voll Melancholie, sind musikalisch sehr verschieden. „Der Tag ist aufgewacht“ ist eine treibende Hymne an den Aufbruch, „Traurige Gewissheit“ sehr poetisch, und „Why not surrender?“ klingt wie ein vergessener Pop-Hit aus den 80ern, der an Bands wie „A Flock of Seagulls“ oder Synthie-Popper wie „Camouflage“ erinnert. Mit abwechselndem Gesang, Keyboard und Gitarre entwerfen „Melancholodic“ eine musikalische Welt der Erinnerungen. Dort, wo Sehnsucht auf Gewissheit, Schmerz auf Trost trifft, fühlen sich die Geschwister Rembold zu Hause.

Für den Löwenanteil der Kompositionen ist Mario Rembold verantwortlich. Dabei zeigt er nicht nur ein Gespür für Harmonien, sondern offenbart auch einen bunt gemischten Musikgeschmack - von „Rosenstolz“ über „Tocotronic“ bis hin zu „Roxette“. „Was das Songschreiben und die Songstruktur angeht, bin ich ein großer Fan von Per Gessle von Roxette“, so Mario Rembold. „Auf die Melodien komme ich durch Rumprobieren auf der Gitarre oder wenn ich am Keyboard sitze. Dann guck ich, was gut zum Text passt, was gut klingt.“ Sarah Rembold sieht ihre Stärken eher in der Darstellung der Songs: „Jeder nutzt seine Potenziale. Marios sind das Songschreiben und Arrangieren, meine sind das Singen und Performen.“ Das zeigen auch die Musikvideos der Band. Ob als verfolgte Diebin in „Why not surrender?“ oder als laszives Popmädchen in „Kacy“: Sarah Rembold setzt sich und die Songs gekonnt in Szene.

Zu sehen gibt es die Videos auf der bandeigenen Internetseite, die sogar schon einen prominenten Besucher hatte: „Wolfgang Thierse hat uns auf unseren Song mit dem Nonsens-Text »Ich hab im Urlaub Wolfgang Thierse gesehen« eine E-Mail geschrieben“, erzählt Mario Rembold. „Er hat sich gefreut, weil er bisher noch in keinem Songtitel seinen Namen wiedergefunden hatte. Das Lied gefiel ihm gut und er hat uns eingeladen, ihn mal in seinem Büro in Berlin zu besuchen.“

Mit eher negativen oder sogar beleidigenden Rückmeldung werden der Biologe und die angehende Psychologin gelegentlich im Gästebuch ihrer Homepage konfrontiert. Hier wurden „Melancholodic“ als „Idealistenpack“ beschimpft, Sarah Rembold gar als „Heliumschlampe“. Doch solche Aussagen nimmt sich das Duo nicht so sehr zu Herzen, Sarah Rembold zeigt sogar ein bisschen Verständnis für die Angreifer: „Ich glaube schon, dass wir polarisieren. Entweder unsere Musik berührt jemanden, oder nicht.“ Es ist eben alles eine Frage des Geschmacks.

Trotzdem: „Melancholodic“ könnten mit ihren eingängigen Melodien wohl die Hitparaden erobern. Doch dieses Ziel verfolgen die beiden gar nicht unbedingt. Zu einer großen Plattenfirma gehen, das muss nicht sein: „Die Rechte an den Liedern, die ich geschaffen habe, will ich auch wahren“, erklärt Mario Rembold. „Wenn sich Möglichkeiten ergäben, einen Teil der Kontrolle abzugeben, würde ich mich nicht grundsätzlich dagegen sperren. Aber ich würde auf keinen Fall meine Lieder einem Musikverlag verkaufen. Dafür liegt mir zu viel an den Sachen.“ Daher ist das Album „Die schönen Bilder“ auch nicht im Plattenladen, sondern nur über die Homepage des Duos zu erwerben.



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