Von Joachim Wille, 14.12.09, 15:35h, aktualisiert 15.12.09, 15:46h
Nachdem die Afrikaner am Montag demonstrativ eine Arbeitsgruppensitzung verlassen hatten, versuchte sich Gipfelchefin Connie Hedegaard, die dänische Umweltministerin, in Schadensbegrenzung. Der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) wurde zusammen mit seinem indonesischen Amtskollegen Rachmat Witoelar zum Co-Leiter einer der Arbeitsgruppen bestimmt, die neue Vorschläge zum Verhandlungsablauf ausarbeiten sollen.
Der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, suchte derweil die Sorgen der G 77 zu zerstreuen. „Die überwältigende Mehrheit der Länder hier will eine Fortsetzung des Kyoto Protokolls“, sagte er. Ihm sei „nicht bewusst, dass irgendwelche Länder versuchen, irgendetwas zu blockieren.“
Umweltverbände äußerten Verständnis für den Paukenschlag der Entwicklungsländer. Das Verhalten der Industriestaaten sorge „für mehr und mehr Misstrauen“, sagte Kim Carstensen vom World Wide Fund for Nature.
Röttgen forderte die USA und China auf, verbesserte Kohlendioxid-Minderungsziele vorzulegen. Für diesen Fall könne die EU ihr eigenes Ziel für 2020 von minus 20 auf minus 30 Prozent anheben. „Wir sind bereit, uns zu bewegen“, sagte er, aber man werde die 30 Prozent nicht ohne Bedingungen einbringen.
Das Kopenhagener Bella-Center, in dem die Konferenz stattfindet, geriet derweil allmählich an die Kapazitätsgrenzen. Hunderte Delegationsmitglieder sowie Journalisten mussten zu Beginn der zweiten Verhandlungswoche am Montag stundenlang in der Kälte vor dem Eingang ausharren, ohne eingelassen zu werden. Die Konferenzorganisatoren räumten Probleme mit dem Akkreditierungssystem ein.
FÜhrungsrolle verspielt
Im internationalen Ranking der Umweltorganisation Germanwatch ist Deutschland vom fünften auf den siebten Platz abgerutscht. Damit platzierte sich das Land nicht nur hinter Brasilien und Schweden, sondern auch Großbritannien. "Deutschland hat es versäumt, seine Führungsrolle in der Klimapolitik zu behaupten", sagte der politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals. Die ersten drei Plätze des Rankings blieben wie im Vorjahr unbesetzt, weil es kein Land geschafft hatte, seinen Beitrag zur Einhaltung des sogenannten Zwei-Grad-Ziels zu leisten.
Bestnoten dagegen gab es für Brasilien. Das Schwellenland hat in Sachen Klimaschutz weltweit die Nase vorn. Damit führt erstmals kein Industrieland die Liste der 57 Industrie- und Schwellenländer an, die zusammen für mehr als 90 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. "Aus der einstmaligen Vorreiterrolle Deutschlands während der EU-Ratspräsidentschaft 2007 ist in der politischen Realität danach wenig zu spüren gewesen", konstatierte Bals.
Der jährlich von Germanwatch und CAN-Europe veröffentlichte Climate Change Performance Index (CCPI) berechnet sich zu 80 Prozent aus Emissions-Kalkulationen. Darin erfasst sind sowohl Emissionstrends, nach den Sektoren Energie, Transport, Haushalte und Industrie aufgeschlüsselt, als auch das absolute Emissionsniveau. (mit ddp)
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14.12.2009 | 17.46 Uhr | Quatschkopf68
Werden da nicht Millionen Hektar Regenwald unwiederbringlich vernichtet? Geschieht dies nicht, um Zuckerrohr-Monokulturen zur Ethanol-Gewinnung…
Vorreiterolle Deutschlands
14.12.2009 | 15.58 Uhr | kischfwm
Da kann der Geschäftsführer von Germanwatch so intensiv wie er will unsere Klimakanzlerin zu einer Wiederaufnahme der Führungsrolle in diesem…
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