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Theater

Zeitlos und doch modern

Von Günter Jeschke, 29.01.10, 16:20h

"Die Räuber" von Schiller - ein alter Hut? Von wegen: Die Theatergastspiele Kempf schafften es, aus dem Klassiker Funken zu schlagen und dem Werk dabei durchaus treu zu bleiben. Eine fast hymnische Theaterkritik.

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Furioser Auftakt: Die Studenten-Räuber übernehmen die Bühne. (Bild: Christopher Arlinghaus)
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Furioser Auftakt: Die Studenten-Räuber übernehmen die Bühne. (Bild: Christopher Arlinghaus)
Bergisch Gladbach - Eine mitreißende Aufführung von Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ boten die Theatergastspiele Kempf im Bürgerhaus Bergischer Löwe, eine Inszenierung, die erneut die zeitlose Aktualität dieses Klassikers bewies. Regisseur Christoph Brück ließ zu Beginn die '68er grüßen: Die im Publikum verteilten Studenten - die späteren Räuber - verdrängten gewalttätig den vortragenden Professor und stellten so den Gegenwartsbezug her. Der weitere Verlauf folgte dann aber Schillers Werk, ohne entfremdendes Umstrukturieren der Vorlage, wie es das Regie-Theater Jahre lang machte.

Exzellente Protagonisten stellten die Konflikte zwischen Gesetz und Freiheit zweier Söhne der Grafenfamilie Moor dar. Einerseits der intelligente, vom Vater bevorzugte, freiheitsliebende und spätere Räuberhauptmann Karl, andererseits der kalt berechnende, unter Liebesentzug leidende Franz. Beide gehen über Leichen und beide scheitern. Symbolisiert wurde dies durch einen Bühnenboden der schiefen Ebene mit Fallgruben.

Julian Weigand lebte den sensiblen Revoluzzer Karl in allen Facetten. Mit großem Engagement und gefühlvoll ausgespielten Varianten überzeugte er als verblendeter Idealist, was letztlich zu einem Verzweiflungsmord an seiner Braut Amalia und - anders als bei Schiller - zu seinem Tode durch einen seiner Kumpane führte. Seinem Gegenspieler Julius Bornmann als Franz Moor war der Bösewicht nicht unmittelbar anzusehen. Vielmehr entwickelte er erst allmählich seine mörderischen und skrupellosen Pläne; seine Charakterentwicklung blieb bis zum Selbstmord spannend. Kerstin Dietrich als Amalia war in ihrem Wechsel zwischen standfester und selbstbewusster Frau und naivem Mädchen allerdings nicht ganz so überzeugend wie ihre männlichen Partner.

Der Regisseur hatte eine zweite Frau ins Ensemble eingefügt, indem er den Schillerschen Schweizer in die Schweizerin wandelte und damit die zunehmende Gewaltbereitschaft auch von Frauen in sozialen Konflikten aufzeigte. Das brachte die Eifersucht als weiteres Spannungselement ins Spiel, denn Anna Kaminski ließ als Schweizerin ihre Gefühle für den Anführer Karl durchaus erkennen.

Ein besonderes Talent ist Wolfgang Grindemann, der gleich drei Rollen großartig ausfüllte: den dozierenden Professor vom Anfang, einen Moral predigenden Pastor und den überaus feinsinnig gespielten Diener Hermann. Auch die weiteren Räuber Spiegelberg (Achim Grauer), Roller / Kosinski (Sven Hussock) und Razman (Aaron-FrederikDefant) füllten ihre Rollen gut aus. Nur Hans H. Steinberg als Vater Maximilian Moor nahm man sein Leiden und seine Verzweiflung erst gegen Ende ab.

Insgesamt war dieser Theaterabend ein Erlebnis. Selten hat man ein so gut geführtes Ensemble mit Schillers deutlich und verständlich deklamierter Sprache so spannend erlebt. Der Schlussapplaus fand kaum ein Ende.



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