Von Gisela Schwarz, 03.02.10, 18:37h, aktualisiert 03.02.10, 18:48h
Alexander Winkelbach von der Antifa Köln, der für den Abzug plädierte, erntete mit seinen Aussagen frenetischen Beifall der Jugendlichen. Dabei fühlte er sich als Kriegsgegner durchaus in der Defensive, weil die „fundamentalistische Position“ ungleich besetzt war - der Attac-Vertreter hatte abgesagt. Doch eine Antwort fand Winkelbach nicht: „Wie die Bundeswehr in Afghanistan ansetzen soll, kann ich nicht beantworten.“ Unter Umständen führe ein Truppenabzug zu mehr Leid, die jetzige Situation aber auch. Das „staatliche Töten“ lehne er ab. Die Bundesregierung nehme den Zivilaufbau nicht ernst. Winfried Nachtwei, der von 1994 bis 2009 für die Grünen im Bundestag saß, stellte die Lage am Hindukusch aus eigener Erfahrung dar: „Im Süden ist seit drei Jahren Krieg, der Opiumanbau kommt voran. Im Norden gab es in den ersten Jahren in den größeren Orten Fortschritte, aber seit zwei Jahren geht es wieder richtig runter. In 2009 geriet die Situation dort außer Kontrolle.“
Warum die Isaf-Truppen nicht mehr als Schutztruppen wahrgenommen werden, wollte Henze von Tarik Hakim, Jungoffizier der Bundeswehr, wissen. Hakim, der aus Afghanistan stammt, konnte von Gesprächen mit Verwandten und Soldaten berichten: „Die Bundeswehr sollte sich darauf konzentrieren, die Zusammenarbeit mit den afghanischen Institutionen zu verstärken und jedem Projekt ein »afghanisches Gesicht« verleihen.“ Die Deutschen seien nicht als Besatzung da, sondern sollten Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Hakim warnte aber auch: „Es ist unrealistisch, einen Staat wie in Deutschland dort zu etablieren. Kern der Gesellschaft ist die Familie, der einzelne hat nicht den Stellenwert wie bei uns.“ Doch es gehe darum, die Taliban und den Terrorismus zu bekämpfen und die Menschen zu unterstützen, zum Beispiel die Projekte der Hilfsorganisation abzusichern. Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass es keine Patentrezepte zur Lösung des Afghanistan-Konfliktes gibt. Auch Antifa-Vertreter Winkelbach musste bei der Frage passen, ob er je in Afghanistan war: „Ich möchte auch nicht in Uniform dort antreten.“
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