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Orkantief „Xynthia”

Das große Aufräumen nach dem Sturm

Von Thorsten Moeck, 28.02.10, 11:12h, aktualisiert 01.03.10, 17:56h

Nach dem Sturmtief Xynthia laufen die Aufräumarbeiten in Köln auf Hochtouren. Wegen entwurzelter Bäume war der Militärring bis Montagmittag gesperrt. In Bickendorf wurden die Trümmer des abgedeckten Hausdaches beseitigt.

Kölner Hauptbahnhof
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Tausende mussten am Kölner Hauptbahnhof warten. In ganz NRW wurde der Bahnverkehr vorläufig eingestellt. (Bild: Krasniqi)
Kölner Hauptbahnhof
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Tausende mussten am Kölner Hauptbahnhof warten. In ganz NRW wurde der Bahnverkehr vorläufig eingestellt. (Bild: Krasniqi)
Sturm rüttelt Köln durch
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Der Sturm rüttelt Köln gründlich durch: Bäume wurden entwurzelt, auf den Gehwegen liegt Geäst. (Bild: Luís Palma Matos)
Sturm rüttelt Köln durch
KÖLN - KÖLN/FRANKFURT/DÜSSELDORF - Der Berufsverkehr ist am Montagmorgen in Köln und Umgebung weitgehend störungsfrei wieder angelaufen. Nach Angaben eines Bahnsprechers kommt es lediglich auf der Rheinschiene Richtung Koblenz sowie auf der Strecke der S 11 Richtung Hennef noch zu zehn bis 15 Minuten Verspätung. In der Eifel fährt die Bahn derzeit nur bis Kall.

In der Nacht hatten zahlreiche Mitarbeiter der Bahn Sonderschichten gefahren, um beschädigte Oberleitungen zu reparieren, Gleise freizuräumen und die Züge für den morgendlichen Berufsverkehr bereitzustellen.

Unterdessen laufen die Aufräumarbeiten im Stadtgebiet auf Hochtouren. Der Militärring war zwischen Berrenrather und Gleueler Straße bis Montagmittag gesperrt. Dort drohten entwurzelte Bäume und abgebrochene Äste, die sich in anderen Baumkronen verfangen haben, auf die Straße zu stürzen. Im Stadtwald waren Mitarbeiter der Stadt an mehreren Stellen im Einsatz. Am Haus am See lag ein Baum auf einem Tennisplatz, auf der Dürener Straße war auf der Höhe des RWE-Sitzes ebenfalls ein Baum auf dem Radweg. Auch auf dem Hauptrundweg im Stadtwald gibt es Behinderungen durch umgestürzte Bäume und herabgefalllene Äste.

Auf der Venloer Straße in Bickendorf, wo der Sturm am Sonntag ein Hausdach abgedeckt hatte, waren Mitarbeiter einer Dachdeckerfirma am Montagmorgen damit beschäftigt, die Trümmerteile zu zerlegen und in Container zu verladen.

Die Kölner Polizei verzeichnete von Sonntagmorgen bis Montagmorgen allein im Kölner Stadtgebiet 544 Einsätze, die Spitze davon am Sonntagnachmittag. Die Nacht verlief dagegen "erfreulich ruhig", wie eine Polizeisprecherein sagte. Wegen herumfliegender Schilder, umgestürzter Bauzäune und herabfallender Dachziegel wurden 17 Einsätze gefahren. Auch die Feuerwehr meldete keine besonderen wetterbedingten Vorkommnise.

Chaos am Hauptbahnhof

Am Sonntag hatte Orkantief Xynthia in Köln und Umgebung den Verkehr vollkommen lahm gelegt: In ganz NRW wurde der Bahnverkehr eingestellt, am Kölner Hauptbahnhof mussten tausende Passagiere stundenlang warten. „Im Moment fährt gar nichts“, sagte ein Mitarbeiter der Bahn am Sonntagnachmittag. Zuvor war der Zugverkehr bereits im Saarland komplett und in Rheinland-Pfalz teilweise gestoppt worden. Auch in Baden-Württemberg waren viele Bahnstrecken unterbrochen.

Eine Vielzahl der Reisenden war am Abend zu Wartenden geworden. Der Menschenauflauf vor dem Informations-Schalter im Hauptbahnhof reicht gegen 21 Uhr bis zur Eingangstür. Einige warten eine Stunde auf eine Auskunft. Ein Wehrdienstleistender aus Wesseling hat sich den Ausfall des Zuges nach Koblenz bescheinigen lassen. „Ich hätte bis 23 Uhr in der Kaserne sein müssen, aber daraus wird nichts“, sagt er, bevor er sich wieder mit der Straßenbahn auf den Heimweg begibt. Doch auch bei der KVB gibt es am Sonntag teilweise erhebliche Verspätungen.

Den ganzen Tag über sind Feuerwehrleute und Polizei in Nordrhein-Westfalen im Dauereinsatz. Die NRW-Polizei meldet am Abend rund 5000 Einsätze.

Zeitweise kommen die Helfer mit der Absicherung von Gefahrenstellen kaum noch nach. In Köln und den umliegenden Kreisen sind vor allem Sachschäden zu verzeichnen. In Bedburg wird das Schloss erheblich in Mitleidenschaft gezogen, und in Düren stürzt ein Kirchturm ein.

Fünf Tote in Deutschland

Das Orkantief forderte bislang fünf Menschenleben. Ein zwei Jahre alter Junge wurde im südhessischen Biblis in den Fluss Weschnitz geweht und ertrank. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer.

Auch 28 Verletzte und zwei Todesopfer sind in NRW zu beklagen: In Pulheim-Stommeln kommt eine Joggerin ums Leben. Sie wird durch einen umstürzenden Baum erschlagen. In Ascheberg fällt ein Baum auf ein Auto, die Fahrerin stirbt. In Köln wird zudem eine Fußgängerin von einem umherfliegenden Baustellenschild verletzt.

Die Bilder ähneln sich in der Region: Überall werden Dachziegel von den Orkanböen auf Straßen geschleudert, Werbetafeln fliegen durch die Luft. Im Kölner Süden wurde ein Hund von einem Baum erschlagen.

Manchmal ist es nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass der Sturm nicht noch mehr Menschenleben gekostet hat. Im Stadtteil Lindenthal wird ein Auto beinah unter einem umstürzenden Baum begraben. Doch die Äste verfangen sich in der Oberleitung einer Straßenbahn, der Fahrer kann unverletzt aus seinem Wagen steigen. Anschließend muss der Bahnverkehr der Linie 7 wegen der beschädigten Oberleitung stundenlang unterbrochen werden.

In Zollstock ist der Weg zur Anschlussstelle der Autobahn 4 am Eifeltor wegen eines quer auf der Fahrbahn liegenden Baumes blockiert. Auf der Venloer Straße in Bickendorf deckt der Sturm ein gesamtes Hausdach ab. Auch in der Innenstadt werden Dächer hinweggeweht. Die Roonstraße wird gesperrt, weil Ziegel pausenlos auf den Gehweg prasseln.

Kurzzeitig ist auch die Deutzer Brücke für den Straßenbahn- und Autoverkehr gesperrt. Werbeschilder haben sich dort aus ihrer Verankerung gelöst. Eine Spezialfirma wird herbeigerufen, um die übrigen Werbeschilder zu sichern.

Domplatte wurde abgesperrt

Auf der Domplatte konnten sich viele Passanten wegen der Sturmböen kaum noch auf den Beinen halten. Die Polizei sperrte das Areal schließlich ab.

Auf den Flugverkehr in Köln hat der Sturm indes kaum Auswirkungen. Weil es am Flughafen Köln / Bonn eine Querwindbahn gibt, die Starts und Landungen bei Starkwind erleichtert, werden sogar mehrere Flüge aus Frankfurt nach Köln umgeleitet.

Wegen der hohen Windgeschwindigkeiten wurden am Frankfurter Flughafen zahlreiche Flüge gestrichen, die Mehrheit der Maschinen hatte Verspätung. Am ICE-Bahnhof am Flughafen stürzte ein Teil der Glaskuppel ein. Menschen wurden nicht verletzt, der Bahnhof wurde für Züge gesperrt. Auch der Frankfurter Hauptbahnhof wurde aus Sicherheitsgründen dichtgemacht. Auf der A 3 beim Flughafen drohte ein riesiges Plakat auf die Straße zu stürzen, die Autobahn wurde in beide Richtungen abgesperrt. "In der Frankfurter Innenstadt haben wir quasi Ausnahmezustand", sagte ein Polizeisprecher.

Dauereinsätze in der Eifel, Rhein-Sieg-Kreis und Ruhrgebiet

Am Sonntagvormittag zog das Sturmtief zuerst in der Eifel im Süden Nordrhein-Westfalens eine Spur der Verwüstung hinter sich her. "Wir eilen von einem Einsatz zum anderen", sagte ein Sprecher der Polizei Aachen. Umgestürzte Bäume versperrten zahlreiche Straßen.

Im Rhein-Sieg-Kreis fielen zwei Bäume auf die B8 und begruben zwei Autos unter sich. Die beiden Fahrer wurden leicht verletzt, ein siebenjähriges Mädchen aus einem der Wagen wurde vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. In Siegen war die Situation ähnlich: "Seit Mittag glühen die Drähte", hieß es auf der Leitstelle. Im Siegerland riet die Polizei Autofahrern dringend dazu, unnötige Fahrten zu vermeiden. Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW warnte: "Das Betreten des Waldes während des Sturms ist lebensgefährlich!" Am Nachmittag waren die Einsatzkräfte auch im Ruhrgebiet im Dauereinsatz.

Auf der A 1 bei Wuppertal verwüstete der Sturm eine rund 100 Meter lange Baustelle an einer Brücke. Sowohl die Autobahn als auch die darunterliegend Bahnverbindung mussten gesperrt werden. Nach Angaben der Landesleitstelle der Polizei war dort mit einer längeren Sperrung der Autobahn zu rechnen, da die Bergungsarbeiten äußerst schwierig seien.



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