Von Stefanie Jooß, 18.04.10, 16:14h, aktualisiert 18.04.10, 17:26h
Aus 165 Metern Entfernung sollen sie einen an einem Holzpfahl hängenden Lappen, Englisch „clout“, treffen. Nur einem gelingt das bei diesem Durchgang. Dafür applaudieren die Schützen ihrem Kollegen Klaus Fink aus Overath. „Das kann nur Glück sein“, sagt der Zwei-Meter-Mann bescheiden, als ob er selbst nicht fassen kann, dass er den Lappen soeben erwischt hat.
Richtig üben könne man so einen Treffer nicht, erklärt er, der den Sport seit fünf Jahren betreibt und zum dritten Mal beim Turnier auf Gut Schiff dabei ist. Das Clout-Schießen ist eine englische Disziplin, die schon Ritter im Mittelalter trainierten. Funde von Bögen aus dieser Zeit lassen darauf schließen, dass beim Spannen ihrer Bögen 90 Kilogramm Gewicht auf ihren Fingern lasteten, schildert Mitveranstalter Jörg Steinbach. Moderne Sportschützen dagegen brächten es auf 25 bis 60 Kilogramm.
Mit einem Leichtgewicht, einem 30-Pfund-Bogen, schießt Carola Schmidt. Als Frau gehört sie beim Turnier auf Gut Schiff zu einer Minderheit. Insgesamt bestehe die Schützengemeinschaft zu etwa einem Viertel aus Frauen, schätzt sie. Sie selbst habe mit dem Bogenschießen vor einem halben Jahr als Ergänzung zum Laufen begonnen.
Blank über die Hand
„Das hier ist ein besonderes Turnier“, sagt die Frau aus Schalksmühle. Denn gewöhnlich wird bei ähnlichen Veranstaltungen im Wald auf dreidimensionale Tierattrappen geschossen. „Blank über die Hand, ohne Zielhilfen“ zu schießen, ist laut Jörg Steinbach eine weitere besondere Herausforderung des Turniers auf Gut Schiff, das er mit seinem Sportkollegen Karl-Heinz Clemens zum vierten Mal veranstaltet.
Nicht nur Könner, auch Anfänger und Interessierte kommen zum Zug. So wie Anja Dissmann. Unterstützt von Michael Kieweg wagt sie sich an ihren ersten Schuss. „Die gelbe Feder muss von den anderen wegzeigen, die Finger locker halten, den Ellbogen zurück ziehen und einatmen“, gibt er Tipps. Dissmann lässt los - und der Pfeil knallt gegen ihr Bein. Doch bei den nächsten Versuchen trifft die Bergisch Gladbacherin schon den Strohballen. Trotzdem habe sie immer noch Respekt vor dem Bogenschießen, sagt sie.
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