Erstellt 28.06.10, 10:15h
Vor gut vier Wochen gab es mit dem "Kick-Off" den Startschuss für eine neue Reihe Poetry-Veranstaltungen. Am Freitag durften dann neben den schon erfahreneren Jung-Poeten Fabian Köster und Marius Wildeshaus erstmals diejenigen ran, die die Kunst des Dichterwettstreits noch lernen. Im Rahmen eines zweitägigen Workshops waren sie bei den Wettkampf-Lyrikern Andreas Weber und Andy Strauß in die literarische Lehre gegangen. Hier lernten sie, Themen für Texte zu finden, die eigenen Stücke richtig zu präsentieren und sie bekamen Tipps für das Schreiben. Letztlich wollten zwar nur zwei der Kurs-Teilnehmerinnen ihr neues Können auf der Bühne präsentieren. Aber was sie in der kurzen Zeit einstudiert hatten, konnte sich durchaus hören lassen.
Moderator Christian Ritter, seines Zeichens deutscher Vizemister im Poetry Slam, gab noch eine kleine Einweisung: "Vuvuzelas, Haustiere oder andere Hilfsmittel sind streng verboten". Dann war das Mikro frei und den Anfang machte Leonie Pilgram aus Lohmar. Beim "Kick-Off" Anfang des Monats saß die 15-Jährige noch selbst im Publikum. Jetzt feuerte sie selbst Verssalven in die Runde, über "Leistungsdruck" bei Jugendlichen und darüber "warum die Jugend nicht mehr liest", um anschließend die Frage zu stellen: "Was sollen eigentlich Fremdsprachen", wenn so was "nicht mal mehr die Politiker" können.
Das kam bei den circa 40 Zuhörern an und Herausforderin Lisa Rademacher musste sich schon mächtig ins Zeug legen, um den Auftakt noch zu toppen. Die ebenfalls 15-Jährige slammte sich mit einem poetischen Einblick in ihr angebliches "Lieblingsfach" Chemie den Frust von der Seele. Sie reihte Zeilen über das Erzeugen von "Calium-Brom-3-Ionen" aneinander und über "Lennart, der den Heizkörperknopf abreißt", um damit Frau Haas, die Lehrerin, zu bewerfen. In der Abstimmung sah Lisa zwar mehr Rosen und ging folglich als Siegerin von der Bühne, aber die Zweitplatzierte war alles andere als enttäuscht. Untereinander bleiben Dichter sprach-sportlich fair: "Da ist eigentlich keine Konkurrenz oder so was", erläuterte Leonie.
Aufgeregt sei sie eher gewesen, weil sie nicht wusste, ob sie es schafft, ihr Stück vor dem Publikum gut vorzutragen. Die direkte Bewertung durch die Zuschauer ist eine ganz besondere Herausforderung. Das kennt auch der deutsche Vizemeister: "Es kann sein, dass man wochenlang an einem Text feilt und denkt: Das ist das Brillanteste, was ich je geschrieben habe. Und dann lässt einen das Publikum einfach durchfallen.", sagt Ritter. "Aber", so der 27-Jährige, "hier ins kalte Wasser geworfen werden - da muss man halt durch."
Es könnte sein, dass Wortkünstler in Bergisch-Gladbach künftig häufiger um die Gunst des Publikums wetteifern. Denn, so Elke Strothmann, "das hier war nur ein Anfang." Ab Herbst soll die Dicht-Reihe für talentierte Kampf-Poeten fortgesetzt werden. Unter neuen Namen, der per Wettbewerb gefunden wurde: "Reim-Berg-Slam". Möglicherweise lässt dann auch wieder Leonie Rosen über ihre Texte richten, wenn ihr "bis dahin etwas einfällt."
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