Von Gisela Schwarz, 08.08.10, 17:43h
Sphärenhaft taucht eine Knabenstimme aus den sich im Kosmos verlierenden Tongebilden auf, formuliert in hohen Tönen Wortsplitter aus dem dritten Buch Daniel, den Gesang der Jünglinge im Feuerofen zum Lobe Gottes. In Schichten hat Stockhausen die Stimme des Kindes zu Bloggs gefasst und überlagert - ein „Pseudo-Chor“, der zu einem Gesamtklang zusammenwächst und wie himmlische Heerscharen das Lob Gottes ausruft. Ganz still ist es in der Halle, bis der letzte Ton verhallt und die Zuhörer nach dem Auftauchen aus dem Hörgenuss in begeisterten Jubel ausbrechen. „Es ist eine Chance, das Stück hier hören zu können - in Stereo zu Hause funktioniert das nicht“, hatte Prof. Rudolf Frisius bei der Einführung vor dem Konzert versprochen.
Auch das „Kreuzspiel“ für Oboe, Bassklarinette, drei Schlagzeuger und Dirigent, eine weitere Komposition des jungen Stockhausen, vermittelt an diesen Konzertabend eindrücklich die Neue Musik in den Nachkriegsjahren, die Idee von der Selbstständigkeit der Töne, die sich entwickeln und durch die Tonebenen wandern - in Melodien und Tongruppen, die nicht wirklich greifbar sind und im Finale in der großen Verlangsamung bis zur atemlosen Stille enden.
Am siebten Tag der Stockhausen-Konzerte hat sich eine eingeschworene Gemeinde zusammengefunden aus Kursteilnehmern, Fans und Neulingen. Man wird süchtig nach dem genialen Werk des Karlheinz Stockhausen, das in der Sülztalhalle in seiner ganzen Schaffensbreite gespielt wird: am Schluss die sechste Stunde „Schönheit“ aus seinem letzten Werk „Klang“ mit der Crème der Interpreten - Kathinka Pasveer (Querflöte), Suzanne Stephens (Bassklarinette) und Marca Blaauw (Trompete). Es ist eine Inszenierung in türkisfarbenen Kostümen und einer Choreografie, in der wieder die Gleichberechtigung der Töne und Instrumente in dialogischem Zusammenwirken und Überlagerungen deutlich wird bis in die vibrierenden Pizzikati. Für sie hatte der Meister die Soli geschrieben. Fantastisch!
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