Von Gisela Schwarz, 31.08.10, 17:09h
Aus blank gescheuerten Astformationen, Wollfäden, Bleistiften, Baumwollhemdchen- und -kleidern aus einem anderen Jahrhundert und aufgezogenen Socken hat Fluxus-Künstlerin Mary Bauermeister eine raumfüllende Installation geschaffen - die immer wieder in ihren Werken genutzten Zeichen erinnern an große Wandinstallationen wie „Needless Needles“ und „Flickenkleider“.
Den Chiffren der Vergangenheit stellt sie im A24 Astformationen mit runden, uhrenförmigen Objekten entgegen - Folien mit den Zeichen der Zeiten von der Rune bis zur chemischen Formel von Wasserstoff.
Einen Kontrapunkt setzt der Lohmarer Jorn Jensen mit seinen Metallobjekten. Aus rostigen Fundstücken vom Rohr bis zum Zahnrad setzt er mit spielerischer Leichtigkeit neue Kreaturen vom bissigen Vogel bis zum ausgefeilten Gebilde aus verchromten Syphons zusammen, immer auf der Suche nach der Reduktion, einer neuen Sinnfindung und Wortschöpfung für die Assemblagen - das Chromobjekt nennt er „Möbius Syphonius“. Monumental wirkt der „Altar“, den Detlev Weigand aufgebaut hat: eine hölzerne Staffelei, die mit Christuskreuz, Henkersymbol und einem Haufen Zeitungen mit Artikeln über die Missbrauchsskandale die Frage nach Sex und Moral stellt. Nachhaltig ist der Eindruck der Installation „For whom the bells wing“, deren Symbole auf subtile Weise dem Betrachter unter die Haut gehen. Dies gilt ebenso für die neue Arbeit „Trilogie der Dialektik in 3-D“, die Weigand auch als Zen-Buddhismus für Anfänger bezeichnet. Danach kommt das Objekt mit der Barbie-Puppe mit Armen aus Krebsscheren, die mit breitem Ausfallschritt tanzen will, aber von einer Spange gehalten wird, geradezu als „kleine Despektierlichkeit“ daher. Gemein, aber auch zum Schmunzeln.
Auch Gabriele Reicherts Collagen mit Holzmaterialien, die mit Wortfetzen, Malerei und Metallen die Ambivalenz zwischen Ordnung und Chaos ausdrücken, sind künstlerischer Ausdruck zu den Fragen der Zeit. Nachdenklich stimmt ein zum Kunstobjekt definiertes Holzfundstück aus dem Königsforst: Ein abgebrochener Ast, der in seinen Schichtungen und Splitterungen ein beredtes Zeugnis der Zeit darstellt.
Die Landschaften auf den Fotografien von Johannes Cawelius, klar durchkomponiert in der Gestaltung und immer im diffusen Licht aufgenommen, wirken transparent und geheimnisvoll. Sein Gegenüber im A24 ist Elke G. Nauroths mit neuen poetisch anmutenden Geschöpfen, die sich in matten Farben in einer Welt von angedeuteten Figuren bewegen. Die Farbgebung erinnert an verwitterte Fresken.
„Sixpack“, A24 / Technologiepark, bis 12. September. Vernissage Donnerstag, 2. September, 19.30 Uhr, danach mittwochs und freitags 17 bis 20 Uhr, samstags, 15 bis 18 Uhr, sonntags 13 bis 17 Uhr.
www.tbg.de/Atelierhaus-24.ssaspx
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige