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Arbeitswelt

Fit für die Arbeit am Mikroskop

Von Stephanie Peine, 01.02.11, 17:26h, aktualisiert 02.02.11, 10:35h

Schülerinnen absolvieren Praktika am Zytologischen Institut des Vinzenz Pallotti Hospitals in Bensberg. Dort werden im Jahr rund 60.000 Zellproben aus der ganzen Bundesrepublik auf krankhafte Veränderungen untersucht.

Praktikantinnen und Betreuer
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Die Schülerinnen Leonie Pauleck (M.) und Victoria Jakob mit Dr. Gerd Eldering, Chef des Zytologischen Instituts (l.), und Lehrer Urban Philippek. (Bild: CA)
Praktikantinnen und Betreuer
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Die Schülerinnen Leonie Pauleck (M.) und Victoria Jakob mit Dr. Gerd Eldering, Chef des Zytologischen Instituts (l.), und Lehrer Urban Philippek. (Bild: CA)
Bergisch Gladbach - Man muss schon einen Blick für den kleinen Unterschied, für die Abweichung von der normalen Struktur haben. Im Zytologischen Institut am Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg ist exaktes Arbeiten Voraussetzung. Das weiß auch Leonie Pauleck. Die 15 Jahre alte Schülerin der Marie-Curie-Realschule absolviert hier auf Vermittlung ihres Lehrers Urban Philippek gemeinsam mit Victoria Jakob (14) vom Gymnasium Herkenrath ein dreiwöchiges Schülerbetriebspraktikum.

„Hier sollen sie zunächst den schnöden Alltag kennen lernen“, sagt lächelnd Dr. Gerd Eldering, langjähriger Chefarzt der Frauenklinik und heute Chef des Zytologischen Instituts und der Zytologieschule. Dazu müssen Leonie und Victoria am Morgen die Abstriche auspacken, die Frauenärzte aus der ganzen Republik im Rahmen der Krebsvorsorge einschicken. In großen Plastiksäcken kommt das Zellmaterial in Bensberg an und wird hier auf krankhafte Veränderungen untersucht. Doch die Mitarbeit der Praktikantinnen soll sich nicht nur aufs Zuschauen und auf einfache Handreichungen beschränken. „Hier muss niemand dauernd auf die Uhr gucken“, so Eldering: „Je größer die Bereitschaft mitzumachen, desto mehr können die Praktikanten auch tätig werden“, sagt er. Nach drei Wochen seien den Schülern die wichtigsten Arbeitsabläufe bekannt.

Und so haben Leonie und Victoria heute auch schon ein Pensum hinter sich: „Wir haben Proben ausgepackt und Farben für die Präparate gefiltert, die Objektträger vorbereitet und beschriftet“, sagt Leonie, die Biologie und Chemie zu ihren Lieblingsfächern zählt und sich daher für das Praktikum beworben hat. Weil die Schüler durch ihre Mitarbeit zwangsläufig Einblicke in Patientenunterlagen bekommen, unterliegen auch sie der ärztlichen Schweigepflicht. „Das macht sie einerseits stolz, ist aber auch eine Menge Verantwortung“, weiß Eldering.

Derweil deckt Leonie die Objektträger, die das Zellmaterial tragen, mit Glasplättchen ab. Das braucht eine ruhige Hand und ein genaues Auge, denn wenn sich dabei Luftblasen bilden, wird es mit der anschließenden Untersuchung unter dem Mikroskop schwierig. „Ich finde das positiv, dass wir so viel mitarbeiten können“, meint Leonie.

Das sieht Victoria ähnlich, wenn sie auch nicht verhehlt, dass es körperlich sehr anstrengend sei, fast den ganzen Tag am Mikroskop zu sitzen, wie es Aufgabe der ausgebildeten Zytologieassistentinnen ist. „Augen und Nacken werden schon sehr belastet“, gibt Beate Tappert zu, die hier seit 20 Jahren tätig ist und das Labor leitet. Abends noch ein Buch zu lesen, sei kaum möglich. Um etwas gegen die Verspannungen zu tun, hat ihr Chef seit einiger Zeit einen wöchentlichen Massagetermin für seine Mitarbeiter organisiert.

Jährlich werden in Bensberg rund 60 000 Zellproben von den zehn Mitarbeitern (darunter neun Frauen) untersucht und bewertet. „Dabei darf nichts übersehen werden, das wäre dramatisch für die betroffenen Patienten“, sagt Gerd Eldering und nennt damit auch den Grund, warum 20 Prozent aller Proben nach dem Zufallsprinzip ein zweites Mal kontrolliert werden - alle auffälligen Befunde landen ohnehin noch einmal unter dem Mikroskop des Chefs. Innerhalb einer Woche seien die Proben dennoch wieder in den Arztpraxen zurück, Eilproben innerhalb weniger Stunden.

Praktikanten werden im Zytologischen Institut gern gesehen, um das Berufsbild der Zytologieassistentin bekannter zu machen. Nachdem seit Anfang der 70er Jahre der Abstrich von Zellmaterial des Muttermundes zur Vorsorgeuntersuchung von Frauen gehört, hält die Zahl der Zytologieassistentinnen mit dem Bedarf nicht Schritt. Die im vergangenen Jahr in Bensberg begründete Zytologieschule soll helfen, diesen Mangel zu beheben. Sie ist eine von insgesamt drei Einrichtungen in Deutschland, die diese Spezialausbildung anbieten.

Zudem wolle sich die Schule als integrative Einrichtung sozial für die Ausbildung Körperbehinderter engagieren, sagt Gerd Eldering. So waren im ersten Jahrgang der zweijährigen Ausbildung 50 Prozent der Schüler hörgeschädigt.

Leonie und Victoria haben ihre Berufsentscheidung noch nicht getroffen. Eine medizinische Tätigkeit, so Leonie, wäre aber durchaus denkbar.



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