ZeitungsanzeigenAbo | Mediadaten
Schriftgröße

Gedenken

Die Schrecken der Vergangenheit

Von Stephanie Peine, 07.06.11, 15:24h, aktualisiert 07.06.11, 15:55h

Schüler und Lehrer der Marie-Curie-Realschule reisten nach Auschwitz und Birkenau. Eine Reise, die die Jugendlichen beeindruckte, zum ersten Mal trafen sie Überlebende des Holocaust.

Reise
Bild vergrößern
Die Schüler betrachten ihre Erinnerungen an die Reise nach Auschwitz. (Bild: Arlinghaus)
Reise
Bild verkleinern
Die Schüler betrachten ihre Erinnerungen an die Reise nach Auschwitz. (Bild: Arlinghaus)
Bergisch Gladbach - Als Eduard Patschkowski den Jackenärmel hochzieht, können es alle sehen, und viele Schüler halten den Atem an. Eingebrannt in die Haut des Unterarms eine Nummer. Auch 70 Jahre, nachdem die Nationalsozialisten den damals zehn Jahre alten Jungen im Konzentrationslager Auschwitz brutal kennzeichneten wie Schlachtvieh, zeigt die Haut noch die vernarbte Wunde. Vernarbt ja, verheilt nein.

Und so erzählt Eduard Patschkowski, dessen ganze Familie als Angehörige der Sinti und Roma von den Nazis verfolgt und ermordet wurde, den Schülern und Lehrern der Marie-Curie-Realschule von seinem Leidensweg.

Zum ersten Mal reisten 60 Schüler aus der Jahrgangsstufe 10 der Marie-Curie-Realschule mit ihren Lehrern in die ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau, die heute als Gedenkstätten eingerichtet sind, und stellten sich den Schrecken der Vergangenheit. „Die Stiftung“ (siehe Kasten) finanzierte die Studienfahrt. Und obwohl die Reise im Unterricht gut vorbereitet worden war, so der betreuende Lehrer Urban Philippek, übertraf die Realität jede Vorstellung der Schüler.

„Bücher können es einem nicht so deutlich machen“, sagt Max. „Es war einfach schrecklich, diese Berge von Koffern und Schuhen zu sehen, die Babyspielsachen, Brillen und abgeschnittenen Menschenhaare, und an dem Ort zu sein, an dem die Besitzer dieser Dinge getötet worden sind.“ Irgendwann halte man das kaum noch aus. „Die meisten haben einfach nur die ganze Zeit geweint“, sagt auch Kathrin. Für Max hatte der Besuch im Vernichtungslager noch eine ganz persönliche Note. „Meine Mutter stammt aus Polen und ihr Onkel ist in Auschwitz erschossen worden“, erzählt er. Daher seien Nationalsozialismus und Holocaust in seiner Familie immer Thema gewesen. „Ich habe an meinen Großonkel gedacht und wie jung er noch war, als er sterben musste“, sagt Max, der wegen seiner Polnischkenntnisse während der Reise als Dolmetscher fungierte.

Für die meisten Schüler war Auschwitz bisher aber nur ein Begriff von vielen aus den Geschichtsbüchern. Erst durch den Besuch der Gedenkstätte und das Gespräch mit Eduard Patschkowski, der die Hölle überlebte, wurden aus nüchternen Fakten ergreifende Einzelschicksale. „Die Häftlingsbaracken sehen zunächst gar nicht so schlimm aus. Wenn man sich dann aber vorstellt, dass hier 700 bis 1800 Menschen unter schlimmsten Bedingungen eingepfercht waren, ...“, Urban Philippek schüttelt den Kopf. Das Vernichtungslager Birkenau sei unvorstellbar groß, 175 Fußballfelder würden hineinpassen, auf dem Gelände vier Gaskammern, die nach dem Krieg gesprengt wurden. „Und überall waren Menschen, Menschen, Menschen, und es ging nur darum, sie zu töten.“ Und auch, wer mit dem Leben davonkam, blieb für immer gezeichnet, wie Eduard Patschkowski. „Das Schlimmste für ihn war, dass man ihm die Würde genommen hat“, sagt René über das Gespräch mit dem 81-Jährigen. Dass so etwas nie wieder geschehen darf, darin sind sich die Schüler einig. Veronika: „Wie sind die neue Generation. Und es liegt an uns, Kriege zu verhindern.“

Die Fahrt sei sicher eine psychische Herausforderung, meint Lehrer Philippek. „Aber wer in Auschwitz war, könnte eine neue Lebenseinstellung mitgenommen haben.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

KARNEVAL


Anzeige


Anzeige







Neue Bildergalerien


Nachtaktiv


Service


Aktuelle Bildergalerien


Die Bilder der Woche 2012


Schulen im Kreis


Special


Special


rhein-berg-online.de auf Facebook

rhein-berg-online.de auf Facebook

Service


Das Rheinland als Region


Vögel in der Region


Serie


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Top-Links (Anzeige)


Serie


Spielkameraden


Extra


KSTA-Service


Dienste