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Wilhelm II. und die Freundesliebe

Von Thomas Rausch, 08.07.11, 17:02h

Peter Winzen nähert sich der wilhelminischen Geschichte mit wissenschaftlicher Distanz. Die Fakten, die er zusammenträgt, legen nahe, dass Wilhelm II. homosexuell war.

Buch von Peter Winzen
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Zur wilhelminischen Geschichte.
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Zur wilhelminischen Geschichte.
Bergisch Gladbach - „Generalthema ist die politische Kultur im Kaiserreich“, sagt Peter Winzen, der zwei Bücher über den Hof Wilhelms II. und seine homosexuellen Berater veröffentlicht hat. Ein weiterer Band über den Machtkampf zwischen Bülow und Eulenburg soll im Spätsommer folgen. Gemeinsamer Ausgangspunkt der drei Bücher war ein Mammut-Manuskript von 1200 Seiten, das nun in leichter verdauliche Portionen aufgeteilt ist. Schon in seiner Doktorarbeit von 1973 beschäftigte sich Winzen mit dem Geschehen im Kaiserreich, als Dozent für Geschichte an der Universität Köln und Geschichtslehrer an einem Gymnasium verfolgte er sein Forschungsinteresse weiter, so auch im Ruhestand.

Winzen nähert sich der wilhelminischen Geschichte mit wissenschaftlicher Distanz. Dabei konzentriert er sich darauf, Fakten zusammenzutragen. Auch mit Hilfe von bisher unbekanntem Archivmaterial erschließt er neue Zusammenhänge.

Mit den beiden Bänden „Freundesliebe am Hof Kaiser Wilhelms II.“ und „Das Ende der Kaiserherrlichkeit. Die Skandalprozesse um die homosexuellen Berater Wilhelms II. 1907 - 1909“ leuchtet er das Umfeld des Kaisers aus und stellt die Existenz einer „Hofkamarilla“ fest: Ein Kreis von Beratern hatte demnach entscheidenden Einfluss auf die Politik. Leser erhalten Aufschluss über die Frage: Wer regierte wirklich im Kaiserreich? Dass viele der Berater homosexuell waren, beeinflusste ihre politische Haltung laut Winzen offenbar nicht. So stellt er keinen Pazifismus bei ihnen fest. „Die Frage der Homosexualität spielt nur eine Rolle, weil es Homosexuellen eher gelang, an Wilhelm II. heranzukommen“, sagt der Autor. Die Homosexualität sei ein „Sprungbrett“ in die inneren Machtzirkel gewesen. Für diesen Umstand gibt es eine naheliegende Deutung: „Zugespitzt formuliert, war Wilhelm II. homosexuell“, sagt Winzen. Er betont, dass dies wahrscheinlich, aber „nicht eindeutig“ zu belegen sei.

Ausführlich geht er auf den „maßgeblichen Einfluss“ des kaiserlichen Adjutanten Gustav von Senden-Bibran ein, der bisher nicht so deutlich herausgearbeitet war. Aufgrund der vielen Details rund um die Berater Wilhelms II. kommt Winzen zu seiner These der „Manipulierbarkeit des Kaisers“. Mit solchen Befunden hofft er, nicht nur das Fachpublikum, sondern auch eine breitere, historisch interessierte Leserschaft zu erreichen. Die Lektüre bietet viele Fakten, ist aber nicht ohne Anstrengung zu bewältigen.

Peter Winzen: „Freundesliebe am Hof Kaiser Wilhelms II.“, Books on Demand, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-5760-2, 188 Seiten, 12,90 Euro.

Peter Winzen: „Das Ende der Kaiserherrlichkeit. Die Skandalprozesse um die homosexuellen Berater Wilhelms II. 1907 - 1909“, Böhlau Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-412-20630-7, 366 Seiten, 39,90 Euro.



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