Von Christina Michaelis, 15.01.12, 14:21h
Susanne Würsig ist nicht die Einzige, die das Wanderreiten liebt. Und deswegen veranstaltet die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD), Landesverband Nordrhein-Westfalen, seit elf Jahren einmal jährlich den Landessternenritt. Das dreitägige Reiterlager findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt - und Freizeitreiter und -kutschfahrer reisen stets aus ganz Nordrhein-Westfalen an. In diesem Jahr kamen die Pferdefreunde mit ihren Tieren auf dem Burscheider Sieferhof zusammen.
Freunde treffen
Hofbesitzerin Julia Paas (46) vermietet normalerweise an Hochzeitsgesellschaften. Am Wochenende beherbergte sie statt 150 Hochzeitsgästen knapp 100 Reiter samt ihrer Pferde. Auf den umliegenden Feldern wurden Paddocks für die Tiere errichtet, die Reiter schlugen auf den Hügeln nahe ihrer Lieblinge bunte Zelte auf. "Das macht Spaß, mal solch eine bunte Pferdemischung hier zu haben", sagte Julia Paas. "Wir sind ja eigentlich ein Milchviehbetrieb."
Spaß hatte nicht nur die Hofbesitzerin. "Das ist jedes Jahr der Höhepunkt", erzählte Susanne Würsig. "Man trifft Freunde wieder, die man sonst nicht sieht." Die 55-Jährige ist seit Anfang an mit dabei - und reitet seit elf Jahren mit ihrem Norweger "Balu" zu den VFD-Treffen. Diesmal war der Weg nicht weit: Susanne Würsig kommt aus Wuppertal, 32 Kilometer hat "Balu" sie zum Reiterlager getragen. Ein paar Kilometer mehr haben Ingrid Hoffmeister (55) und Sabine Keller (46) auf ihren Stuten "Oueezzane" und "Felipa" zurückgelegt. Neun Tage sind sie bis nach Burscheid geritten. "Da vergisst man glatt die Wochentage", so Keller. Auf dem Weg haben sie jede Nacht bei anderen befreundeten Hofbesitzern entlang der Strecke übernachtet und ihre Gastgeber in ein Begleitheft eingetragen.
Pilgerbuch der Reiter
"Das ist quasi das Pilgerbuch der Reiter", erklärte VFD-Öffentlichkeitsreferentin Gabriele Eichenberger. 25 bis 30 Kilometer können Pferd und Mensch beim Wanderreiten täglich zurücklegen. Der Reiter lässt sich aber nicht durchgehend tragen. "Wir gehen auch oft zu Fuß", so Sabine Keller. "Beim Wanderreiten passt man sich dem Rhythmus seines Pferdes an. Dabei kommt man dem Tier am nächsten."
Das Wanderreiten ist jedes Mal ein Abenteuer - sowohl für Tier als auch für Mensch. Über ihre Erlebnisse plaudern die Reiter gerne. Bei den alljährlichen VFD-Reiterlagern finden sie viel Zeit dafür. Dabei geht es auch um Umweltschutz und Reitpolitik. Neben angeregten Unterhaltungen stand am Wochenende aber auch Sport auf dem Programm: Die Teilnehmer konnten sich im Bogenschießen zu Pferd üben und abends zu Country-Musik tanzen - das wohlgemerkt ohne Pferd. Die Tiere wurden dabei nicht vergessen. Ganz im Gegenteil. Die Austragungsorte des Reitercamps werden jedes Jahr akribisch ausgesucht. "Es muss Platz für mindestens 100 Pferde, die Gespanne und eine Feldküche vom Roten Kreuz sein", zählte Gabriele Eichenberger auf. Zudem muss ein Tierarzt in Reichweite sein. "Es wird zuerst geschaut, ob die Pferde gut versorgt werden können", ergänzte Sabine Keller. Mit den Menschen sei es einfacher. Denn die können überall ein Zelt aufschlagen.
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