Von Elke Landschoof, 29.08.11, 06:36h, aktualisiert 29.08.11, 15:03h
„Die Leute wollen lachen“, hat Ellen Strippel, Vorsitzende von Boulevard Bechen festgestellt. Es reizt ja auch zum Lachen, wenn sich ein Mitspieler, dessen 1.96 Meter noch durch Hochwasserhosen betont werden, sich auf der Bühne ausgerechnet in die kleinste Schauspielerin verliebt.
Aber in diesem Jahr gehe es nicht so turbulent zu, findet Fuhrmann, „außer in der Szene mit der Mistgabel“.
50 000 Euro eingespielt
Schon seit Wochen proben die Schauspieler für„Tatort – GoldeneSau“. Es ist bereits das 14. Stück, das die Theatergruppe aufführt. Insgesamt spielte die Gruppe über 50 000 Euro ein, die karitativen Zwecken zugute kamen. „Wir spielen für Bechener Bürger, dann soll es auch in der Gemeinde bleiben“, findet Fuhrmann.
Die Idee für die Laienspielgruppe entstand 1995. „Da saß ich im Mai mit Nachbarn im Garten“, erinnert sich Strippel. „Wenn du das machst, dann unterstütze ich dich“, sicherte Manfred Rahier, der spätere Spielleiter, ihr zu. Doch die Pläne verliefen zunächst im Sand. „Diejenige, die ich als Hauptdarstellerin im Kopf hatte, wollte nicht“, erzählt die 55-Jährige. „Nee, dat kriege ich nicht in den Kopp“, hatte Strippel von ihr zu hören bekommen. Im Oktober, wieder bei einem Treffen mit Nachbarn, wurde es dann konkret. „Wir haben mit ein paar Leuten darüber geredet und waren dann komplett“, erzählt Fuhrmann. „Nur die Männer mussten noch ein wenig überredet werden.“ Beim ersten Stück „Hier sind Sie richtig“ in 1996 spielten acht Schauspieler mit. „Dazu kam der Spielleiter“, so Fuhrmann. Die Bühne wurde in der Bechener Grundschule aufgebaut. „Das war schon stressig“, erzählt Strippel. Erst nach Schulschluss konnte aufgebaut werden und montags musste alles wieder abgebaut sein. „Aber die Kinder haben beim Aufbau geholfen“, sagt die vierfache Mutter. „Jetzt sind die Kinder aus dem Haus und wir müssen alles selber machen“, ergänzt Fuhrmann, die drei Kinder hat.
Seit 2000 finden die Proben und Aufführungen in dem Veranstaltungssaal der Taverna Kalyva statt. „Da können wir die Bühne stehen lassen“, so Strippel. Hier stehen die Akteure an zwei Wochenenden jeweils drei mal auf der Bühne. „Und noch am Mittwochabend dazwischen“, sagt Fuhrmann.
Seit 1996 führte Boulevard Bechen jedes Jahr im Spätherbst ein Stück auf. „Nur 2006 haben wir nicht gespielt“, sagt Strippel. Weil Spielleiter Manfred Rahier schwer erkrankte, setzte die Truppe aus. Nach seinem Tod im November 2006 beschloss man, weiter zu machen. „Das hätte er gewollt“, ist sich die Vorsitzende sicher. Erst als er nicht mehr da war, wurde den Laienschauspielern klar, wie viel Arbeit Rahier geleistet hat. „Was heute mehrere Leute machen, hat er alles alleine gestemmt“, so Strippel. Die Nachfolge in der Spielleitung trat Gudrun Fuhrmann an. „Da brauche ich keine Text mehr zu lernen, das hat auch was“, so Fuhrmann, die öfters die Rolle der betrogenen Ehefrau gespielt hatte. „Ich durfte nie die Geliebte spielen“, bedauert sie.
Die Proben für das neue Stück laufen auf Hochtouren. Bisher läuft noch alles rund. „Aber uns ist noch jedes Jahr einer ausgefallen“, erzählt Fuhrmann. Die Schauspieler haben schon mit Fieber, Durchfall und Bänderriss auf der Bühne gestanden. Eine Schauspielerin fiel eine Vorstellung lang aus, weil ihr ein Zahn gezogen werden musste. „Ich übernehme die Rolle“, sagte kurzerhand ein Mitspieler und sorgte für viele Lacher, als er auf die Bühne trat, meinte, er sei eine Frau, und begann, seinen Text vom Blatt zu lesen. Das aktuelle Stück ist noch nicht aufgeführt, aber Fuhrmann denkt schon ans nächste Jahr. „Wir brauchen dringend neue, jüngere Mitspieler“, sagt sie, es fehlen vor allem Männer um die 30. Im Moment sucht sie sich die Stücke nach den Schauspielern aus. „Das ist schwierig“, räumt sie ein. „Einfacher wäre es, ich hätte ein Pool an Schauspielern, finde ein Stück aus und suche die passenden Schauspieler aus.“
Öffentliche Probe ist am 4. Oktober.
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