Von Timm Gatter, 06.11.11, 14:35h
Der 1931 geborene Autor geriet als 13-Jähriger in sowjetische Gefangenschaft wegen „aktiven Kampfes gegen die Sowjetunion und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Das sowjetische Militärtribunal sah in ihm irrtümlich einen „Werwolf“ und verurteilte ihn kurz nach Kriegsende zu zehn Jahren Haft. Die Haftzeit verbrachte er unter anderem im Lager Sachsenhausen, das die russische Militärmacht wie viele andere KZ als Gulag weiternutzte. Nach sechs Jahren wurde der weder der NSDAP angehörende, noch aktiv am Zweiten Weltkrieg beteiligte Fenske entlassen. „Ich hatte die traumatischen Erlebnisse meiner frühen Jugendjahre größtenteils verdrängt“, sagt der ehemalige Lehrer und Kulturschaffende. Ende der 90er Jahre siedelte Hansjürgen Fenske der Liebe wegen nach Leichlingen um. Seine Frau, die Kinderbuchautorin Marie Fenske, bestärkte ihn darin, das Erlebte niederzuschreiben.
Nichts ist ausgedacht
Mit der vor knapp zehn Jahren erschienen Dokumentation „Eine Stein Zeit Geschichte“ erinnerte er an sein Schülerprojekt zur Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs in der Havelstadt Zehdenick. Ein großes Echo im In- und Ausland war der Lohn.
In zahlreichen Lesungen und Diskussionen musste Fenske – unabhängig von seiner ersten Publikation – immer wieder über sein deutsch-deutsches Schicksal berichten: Gewissermaßen die Aufforderung, schriftstellerisch aktiv zu werden. „Alle Aussagen in dem Roman sind wahr, nichts ist ausgedacht“, so der Autor.
Die Romanform habe er gewählt, um Verdrängtes, Vergessenes und bewusstes Weglassen von Nichtigkeiten zugunsten eines roten Fadens in der Lektüre zu kompensieren. Dass das Thema in Deutschland bislang weitgehend totgeschwiegen wurde, hat laut dem Autor auch etwas mit der damaligen Ostpolitik zu tun: „Die BRD wollte keinen Sand im Getriebe der Annäherung“.
"Die schärfste Klinge"
Gewidmet hat er das Werk seiner Mutter Ilse Heidtmann, seiner ersten Frau Gisela Piltz und seiner zweiten Frau Marie Fenske: „Sie haben mich stets bestärkt und gefördert.“ Stolz ist er darauf, dass er am 12. November zur Autorenlesung auf dem Literaturabend „zu Ehren verfolgter Autoren“ im Kunstmuseum Solingen (früher: Museum Baden) eingeladen wurde: Die Veranstaltung zählt zum Rahmenprogramm der Verleihung „Die Schärfste Klinge“ an den Bürgerrechtler Joachim Gauck am 24. November im Solinger Theater- und Konzerthaus. Gerne würde der Autor als Zeitzeuge auch vor Schülern berichten und diskutieren: „Wenn ich in Leverkusen, Leichlingen, Burscheid oder sonst wo in der Region gefragt werde: Ich bin sofort dabei.“
Hansjürgen Fenske: Wie ich meine Jugend überlebte. Verlag Lexicus, Bad Kleinen. 14,95 Euro.
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