Von Stephanie Peine, 28.11.11, 15:33h
„Exzentrisch“ und „ungewöhnlich“ waren die schmeichelhaftesten Titulierungen für die „begehbare Plastik“, die „Zementburg“ oder den „Beamtenbunker“. Man möge den „Aapenfels“ (Affenfelsen) doch passenderweise dem Kölner Zoo überlassen oder das „unfassbare Schießschartenungeheuer“ doch besser gleich „auf den Mond schießen“, hieß es zunächst in wütenden Reaktionen an die Stadt. Und selbst dem damaligen Bürgermeister Ulrich Müller-Frank soll der Schreck in die Knochen gefahren sein, als Gerüste und Planen vom Rohbau abgenommen wurden.
Dabei war die Integration der Mauerreste der alten, erstmalig im Jahre 1103 erwähnten Burg Bensberg, die Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart, in der Ausschreibung für den Neubau ausdrücklich gewünscht gewesen. Ausschlaggebend für die Vergabe an Böhm war auch, dass er mit seinem Entwurf der Eintönigkeit der Architektur der 60er Jahre eine deutliche Absage erteilte.
7,5 Millionen Mark brachte Bensberg für das neues Rathaus auf, das die Stadt nur wenige Jahre als selbstständige Kommune nutzen konnte. 1975 wurden die Städte Bergisch Gladbach und Bensberg zusammengelegt, viele Jahre lang wurde für die Sitzungen des Stadtrates das Gladbacher Rathaus am Konrad-Adenauer-Platz bevorzugt. Heute firmiert das Bensberger Gebäude als technisches Rathaus und ist – spätestens seit auch die Rats- und Ausschusssitzungen wieder hier abgehalten werden – weit mehr als eine Dependance.
„Bürgerstolz ist in diesem Jahrhundert kaum je imponierender in Szene gesetzt worden“, urteilte der Architekturhistoriker und -kritiker Wolfgang Pehnt über den Bau. An die Reste der Burgruine setzte Böhm einen horizontal geschichteten Büroflügel mit dunkel getönten Fensterbändern, der den Burghof einrahmt. Architektonischer Höhepunkt ist der sich anschließende polygonale Treppenturm, dessen rahmenlose Fensterbänder sich spiralförmig nach oben winden und den Blick freigeben auf die Kölner Bucht. Die eigentlich funktionslose Turmspitze, mehr Skulptur denn Gebäude, wurde zum Wahrzeichen des neuen Rathauses.
Aber auch Wahrzeichen kommen in die Jahre. Regenwasser drang in den Turm ein, weitere Schäden traten auf und so war nach rund vier Jahrzehnten in Abstimmung mit der Denkmalpflege eine aufwändige Sanierung des Gebäudes nötig. Dabei habe sich die Schwierigkeit gezeigt, eine „bestehende Architektur-Ikone der Nachkriegsmoderne energetisch zu sanieren, ohne strukturelle Eingriffe vorzunehmen und den status quo mindestens äußerlich zu erhalten“, erklärte Karl Stabenow, Denkmalpfleger der Stadt, der seinen Arbeitsplatz passenderweise in der Architektur-Ikone hat. „Wir haben hier ein fantastisches, einmaliges Gebäude“, schwärmt er. Auch wenn sich kein Privatmann einen solchen Turm leisten könne.
Pottschroh...
29.11.2011 | 19.51 Uhr | Hobbes
... und Grotten häßlich. Muß wohl Kunst sein (würg).
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