Von Gisela Schwarz, 21.12.11, 12:12h
Drei Kompositionen aus verschiedenen Schaffensperioden des im Dezember 2007 verstorbenen Komponisten Karlheinz Stockhausen hatten Kathinka Pasveer und Suzanne Stephens mit Bedacht ausgewählt. Mit großem Einfühlungsvermögen vermittelte Frank Gutschmidt dem Publikum das Verständnis für die Werke, nicht theoretisch überfrachtet, sondern auf einer emotionellen Ebene.
So hörte sich das Publikum sofort ein in die Komposition „In Freundschaft“, die Stockhausen 1977 als Geburtstagsgeschenk für Suzanne Stephens geschaffen hatte. So konnte man gut nachverfolgen, wie sich die fünfgliedrige „Formel“ als musikalische Miniatur in hohen und tiefen Schichten, Spiegelungen, in vibrierenden Trillern bis zu langsamen Tempi zu einer Stille verdichtet. Virtuos vermittelte Christine Chapman auf dem Horn dieses kammermusikalische Stück in vielen Strukturen. Stockhausen hatte es mehrmals für verschiedene Instrumente umgeschrieben, er hatte dabei immer die Annäherung der Musiker „in Freundschaft“ im Blick.
1977 hatte Stockhausen auch mit der ersten Komposition des großen Opus „Licht“, der Oper „Donnerstag“, begonnen – der Beginn des Versuchs eines „kosmischen Welttheaters“. Den „Michaels-Abschied“ für fünf Trompeten hören die Besucher der Stockhausen Konzerte im Sommer immer zum Abschluss auf den Dächern des Schulzentrums. Im Gedenkkonzert spielte der junge Matthew Conley auf der Piccolo-Trompete den berühmten „Oberlippentanz“, den Stockhausen 1983 für die dritte Szene, den „Luzifertag“ in „Samstag“ aus „Licht“, geschrieben hatte. Mit differenzierter Tontechnik gelang dem Preisträger der Sommerworkshops die fantastische magische Zauberei auf der silbern klingenden Flöte mit überraschend kämpferischen Rauschklängen im Wechsel mit zarter Lyrik in heiteren Stimmungen.
Beschlossen wurde das Gedenkkonzert in der Kürtener Aula mit einem besonderen Höhepunkt: Susanne Stephens (Bassklarinette), Kathinka Pasveer (Querflöte) und Marco Blaauw (Trompete) spielten das Werk „Schönheit“, die sechste Stunde aus dem Zyklus „Klang“, die 2006 komponiert und erst im Oktober 2009 in der Gulbenkian-Stiftung in Lissabon uraufgeführt worden war. Alle drei Musiker waren Stockhausen intensiv verbunden, sind weltweit die Interpreten, die sein Werk in hoher Authentizität vermitteln können. Und so war es ein besonderes Erlebnis, den vibrierenden Klangflächen zu lauschen, die schwebend im Raum verharrten, immer wieder in verschiedenen Tempi, Schichten und Zusammenklängen. Den „Drang zum Schönen“ vermittelte Stockhausen in diesem Stück, das die drei Musiker in einer ruhigen Choreographie umsetzten. Ein würdiges Gedenkkonzert, das immer den großen Meister erahnen ließ – und am Schluss in einem Begeisterungssturm des Publikums endete.
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