Kurierdienst

60 000 km auf dem Tacho

Von Pascal Kohse, 03.08.09, 16:53h

Seit fast zehn Jahren strampelt Ernst Wasner für „Ökoblitz“. Sein Chef Jürgen Siegler gründete das Kleinunternehmen 1994 und stieß damit in eine Marktlücke.

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Als Kurierfahrer hat Ernst Wasner mittlerweile 60 000 Kilometer abgestrampelt. Der frühere Berufssoldat ist vorwiegend im Euskirchener Sprengel unterwegs und schätzt den Job auch wegen seiner gesundheitsfördernden Wirkung. Um 7.30 Uhr ist er morgens schon auf Achse. (Bild: Kohse)
Euskirchen Weit über 60 000 Kilometer hat der Tacho von Ernst Wasner bisher verbucht: Die Digitalanzeige beweist es schwarz auf grün, und er zeigt sie gerne her. Gefahren ist der 64-jährige Pensionär diese beachtliche Distanz innerhalb der letzten neun Jahre. Nicht aber mit dem Auto, sondern mit seinem Fahrrad: Ernst Wasner ist Kurierfahrer.

Nach der Pensionierung im Jahr 1998 wurde es dem ehemaligen Berufssoldaten auf der heimischen Couch schnell zu langweilig. Da kam es ihm gerade recht, dass Jürgen Siegler in der Zeitung eine Annonce aufgegeben hatte, um für seinen Kurierdienst „Ökoblitz“ noch ortskundige Fahrer zu finden. Seit Juni dieses Jahres fährt Ernst Wasner nun im zehnten Dienstjahr.

Insgesamt gibt es den „Ökoblitz“ nun schon seit 15 Jahren, und der Chef fährt immer noch selber, auch wenn das Unternehmen mittlerweile fünf weitere Angestellte zählt. Zudem ist der Fuhrpark auf nunmehr drei Fahrräder und insgesamt vier Auto angewachsen. Dabei stehen die motorisierten Fahrzeuge den Zweirädern in puncto Umweltverträglichkeit in nichts nach und sind entweder mit Gas oder vermindertem CO-Ausstoß unterwegs - eine alles in allem ökologische Flotte.

Der damals 28-jährige Jürgen Siegler gründete den Kurierdienst im Jahre 1994 mit nur einem Fahrrad und machte erst einmal mit Flyern auf sich aufmerksam. Nachdem er seine Beteiligung an einem Hotel in Jamaika aufgegeben hatte, wurde der gelernte Industriemechaniker von einigen für seine Idee belächelt, doch der Erfolg von der ersten Stunde an gab ihm Recht. Nur einen Tag, nachdem er zu Werbezwecken die Klinken geputzt hatte, meldete sich ein älteres Ehepaar bei ihm: Sie brauchten zehn Liter Milch und eine Stange Zigaretten - die erste Fahrt war gebucht. Wenig später sollte er bei einem Autohändler ein Ersatzteil abholen. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um einen vier Meter langen Auspuff, den Jürgen Siegler quer durch die Stadt fahren musste: geschultert auf dem Fahrrad natürlich.

Seit den bewegten Gründertagen hat sich für den Start-up-Unternehmer mittlerweile allerdings einiges geändert: Allein durch neue Mobilfunk-Technologie ist die Logistik viel einfacher zu bewältigen und erleichtert die Arbeit ungemein. Aber auch der mittlerweile feste Kundenstamm hat sich im Vergleich zu früher dramatisch verändert: War der Kurierdienst damals für einige Privatleute noch in Sachen kleinerer Erledigungen unterwegs, so sind es heute viel mehr Kunden aus den Industriegebieten, die ihre tägliche Postlieferung unter anderem von Ernst Wasner erhalten.

Der gebürtige Österreicher leert morgens um 7.30 Uhr die Postfächer seiner 13 Kunden und verteilt diese innerhalb von drei Touren an die rechtmäßigen Empfänger. So kommen an einem Tag gute 25 Kilometer zusammen. Das bessert nicht nur die Pension ein wenig auf, sondern ist auch noch gut für die Gesundheit.

Das Markenzeichen und Erfolgsrezept des „Ökoblitz'“ ist dabei seine bewusste Ausrichtung auf - natürlich - Ökologie. Und weiter? Jürgen Siegler: „Ich schätze, die Leute mögen es, wenn jemand strampelt für sein Geld.“


http://www.rhein-berg-online.ksta.de/jrbo/artikel.jsp?id=1246883757172

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